Politische Beamte leben heutzutage längst nicht mehr so gefährlich. Im schlimmsten Fall werden sie in den einstweiligen Ruhestand versetzt und bekommen eine Pension, die ihre vormaligen Bezüge erreichen kann. Gut, der Schreibtisch ist weg – sicherlich eine narzisstische Kränkung. Aber niemandem geht es heute so schlecht wie damals Niccolò Machiavelli.
Im Herbst des Jahres 1512 hatten die Medici in Florenz wieder die Macht ergriffen, von der sie 18 Jahre zuvor verdrängt worden waren. Die republikanische Regierung, der Machiavelli 14 Jahre lang als Spitzenbeamter gedient hatte, musste weichen. Nicht nur, dass der 43-Jährige Knall auf Fall vor die Tür gesetzt wurde; er musste zudem eine Bürgschaft über 1.000 Fiorini, also etwa dreieinhalb Kilo Gold von 24 Karat, zur Sicherstellung seines künftigen Wohlverhaltens beibringen. Außerdem wurde er unter dem Verdacht, an einer Verschwörung beteiligt gewesen zu sein, verhaftet und mehrmals gefoltert, an Händen und Knien rücklings aufgehängt, bis die Schmerzen nicht mehr zu ertragen waren – nichts gestanden, nichts nachzuweisen. Kurz darauf kam er im Zuge einer Amnestie frei, wurde aber zusammen mit seiner Frau und den sechs Kindern auf sein vergleichsweise bescheidenes Landgut in Sant’Andrea in Percussina verbannt, ungefähr zwölf Kilometer entfernt auf den Hügeln südlich der Stadt. Dass er von dort bei guter Sicht die Kuppel des Florentiner Doms und den Turm des Palazzo Vecchio erkennen konnte, seines früheren Dienstsitzes, muss ihn besonders geschmerzt haben.