Endlos ist in diesem Leben nur eines: die Flut von Innovationen, mit denen uns die Lebensmittelindustrie beglückt. Nicht dass wir die meisten davon haben wollten oder gar benötigen würden. Nein, wir bekommen sie einfach ins Regal gestellt. Wenn Produzenten kritisch befragt werden, was sie denn geritten habe, mal diesen und mal jenen Schnickschnack herzustellen (Wurstscheiben mit Bärchengesicht etwa), antworten sie gern mit Sätzen wie: "Der Markt verlangt es." Oder, noch besser: "Die Verbraucher wollen das."

Aha! An solchen Aussagen kann man jedenfalls zuverlässig überflüssige Innovationen erkennen. Es gibt sie ohne Ende.

Ohne Ende gibt es jetzt auch Toastbrot. Ein freundlicher Leser schickte mir neulich das Foto einer Toastbrottüte von Edeka, auf der allen Ernstes geschrieben stand: "Keine Endscheiben". Endscheiben sind jene Scheiben, die sich – na, logisch – immer am Ende eines jeden Toastbrots befinden, daher meist härter gebacken und in der Mitte nicht so weich sind wie die Mittelteile. Alles hat eben ein Ende, nur die Wurst hat zwei und das Toastbrot auch. Textlich ist das schwer zu beschreiben, aber man versteht es wohl. Vorn und hinten fehlt jedenfalls etwas.

Schon seltsam. Jetzt hat sich Deutschland erst kürzlich aufgeregt, dass so viele Lebensmittel in den Müll geworfen werden, und jetzt kommen die Endscheiben noch mit rein in die Tonne. Mein Bäcker bot mir neulich immerhin an, bei einem 100-Gramm-weise zu bezahlenden Weißbrot die Endscheiben nicht wegzuwerfen, sondern sie mir kostenlos mit in die bereits abgewogene Tüte zu tun. Er strahlte dabei wie ein Lebkuchenmann.

Mir soll’s recht sein. Ich mag die Enden sowieso lieber als die Scheiben in der Mitte, weil sie nicht so labbrig sind. Aber das verrate ich niemandem, sonst verlangt es bald womöglich der Markt, und dann haben wir ruck, zuck die nächste Innovation im Regal.

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