Ein fensterloser Besprechungsraum in einer Bank, Leuchtröhren, Beamer, verchromte Stühle: Kaum ist Johannes Schweikle einer Besprechung an diesem Ort ökonomischer Effizienz entronnen, sucht er den Kontrast – das unabhängige, naturnahe Leben eines Wanderers auf dem Schwarzwald-Westweg. 285 Kilometer von Pforzheim nach Basel, über Hornisgrinde, Feldberg und Belchen, windumtoste, wettergepeitschte Gipfel.

Ein Weitwanderweg-Klassiker als Therapie – da reiht sich Schweikles Buch ein in die momentan so zahlreichen Loblieder: "Ich kann in meinem Tempo gehen. Keiner hetzt mich. Der Schweiß, den ich hier vergieße, ist zuträglicher als die Anspannung im Büro." Der Autor, gebürtiger Schwarzwälder, liefert kein Streckenprotokoll, sondern beschreibt eine Landschaft, die für ihn das Zentralmassiv des deutschen Gefühls ist.

Schweikle stellt auch viele ihrer Protagonisten vor: die Romantiker und die Revolutionäre von 1848, obrigkeitshörige Kriecher und einen rebellischen Förster. Heidegger dichtet, Hemingway entlarvt deutsche Fremdenfeindlichkeit, und der Hotelier Hermann Bareiss erzählt von seinem wundersamen Aufstieg. Ein recherchegesättigtes Buch voller erstaunlicher Geschichten, sehr pointiert geschrieben. Nur manchmal wundert man sich, wie schnell der Autor Anstoß an Dingen oder Personen nehmen kann.