Unaufhaltsam schreitet die Reform des österreichischen Bildungssystems voran. Gerade erst wurde ein entscheidender Schritt gesetzt. Jetzt ist es endlich so weit, dass in allen Schultypen das verpflichtende Fach Glück angeboten wird, in dem die heranwachsende Jugend unterwiesen wird, in ihrem Wünschen und Streben Erfüllung zu finden. Es geht also nicht mehr wie in der antiquierten Pädagogik nur darum, "Kinder als Fässer zu betrachten, die mit Wissen gefüllt" werden. Das neue Fach ist vielmehr eine sogenannte Querschnittmaterie, bei der neurobiologische, medizinische, soziologische und psychotherapeutische Aspekte ebenso vermittelt werden müssen wie philosophische. Wie es allerdings in diesem Fach um die Benotungskriterien steht, ist vorläufig noch unklar. Aber das ist glücklicherweise nicht das Wichtigste. Wie sagte doch der weise Seneca: "Jeder kann sich selbst glücklich machen." Angesichts der vielen Unglücklichen in der westlichen Zivilisation dürfte jedoch kaum jemand von dieser Erkenntnis Gebrauch machen. Vielleicht bedarf es dazu des Nebenfachs Lockerheit. Wer dort gut mitarbeitet, könnte sich für das Wahlpflichtfach Gelassenheit in der nächsten Klasse qualifizieren. Vertiefend sind natürlich Exkursionen in den Bereich der Realitätsnähe sinnvoll. Damit wird vor Augen geführt, dass Glück und Wissen kaum je miteinander in Zusammenhang stehen können. Manche Beispiele des täglichen Lebens weisen sogar auf das Gegenteil hin. Nicht viel zu wissen scheint ein vitaler Glücksmotor zu sein. Natürlich gibt es auch unglückliche Nichtwisser, aber eine gewisse Ignoranz gegenüber den Früchten der Erkenntnis scheint notwendig. Angesichts aktueller politischer Diskussionen in der österreichischen Politik ist eine durchgehende Zufriedenheit mit den eigenen Standpunkten feststellbar. Zufriedenheit ist ein häufiges Symptom von Glückszuständen. Gemessen an der inhaltlichen Kompetenz würde die politische Elite in Österreich im neuen Hauptfach Glück die Rolle des Klassenprimus spielen. Leider wird aber in dieser Politikerakademie das Fach Verantwortung offenbar nicht angeboten – nicht einmal als freiwilliger Nebengegenstand.