Der frühere Chef der amerikanischen Notenbank Paul Volcker, ein Mann von mittlerweile 85 Jahren, wird häufig mit dem Satz zitiert, das einzig gesellschaftlich Nützliche, was die Finanzbranche in den vergangenen Jahrzehnten hervorgebracht habe, sei der Geldautomat. Später hat er diese Aussage als eine Übertreibung charakterisiert, und sie stimmt wohl auch wirklich nicht.

Zu den sinnvollen Neuerungen, die es in diesem Bereich gegeben hat, zählt ohne Zweifel eine Sorte von Investmentfonds, die es auch Kleinanlegern ermöglicht, ihre Ersparnisse mit geringen Kosten unter vielfältigen Anlagemöglichkeiten breit zu streuen. Durch zahlreiche Studien ist belegt, dass sich auf diese Weise das Verlustrisiko vermindern lässt, ohne dass der Anleger seine Erwartungen an die Rendite senken muss. Es handelt sich um Fonds, die ohne einen hoch bezahlten Manager auskommen, der die Aktien auswählt. Stattdessen kaufen die Fondsverwalter einfach alle Aktien, die in einem bestimmten Börsenindex enthalten sind. Von herkömmlichen Investmentfonds unterscheiden sich diese Indexfonds auch dadurch, dass ein Anleger, der verkaufen will, seine Anteile nicht wie bisher nur an die Fondsgesellschaft zurückgeben, sondern sie kostengünstig über die Börse an anderere Anleger verkaufen kann. Daher kommt der Name Exchange Traded Funds, börsengehandelte Fonds – kurz ETF.

Es handelt sich um gute Finanzprodukte, aber ganz unumstritten sind auch sie nicht. Denn in der Praxis werden meistens doch nicht alle Aktien eines Indexes gekauft. Stattdessen machen die Fondsmanager finanzielle Tauschgeschäfte (Swaps) mit Investmentbanken, die zum gleichen Anlageergebnis führen und sogar kostengünstiger sind. Manchem Anleger ist das aber nicht geheuer, er will mit solchen Derivaten nichts zu tun haben. Deshalb beginnen die ersten Institute nun, echte Indexfonds anzubieten. Der Anleger hat die Wahl.