Die Herren in Uniform sind ziemlich zappelig, ein Konteradmiral und ein paar Oberstleutnants stehen vor dem Eingangsportal des Einsatzführungskommandos in Potsdam und treten von einem Fuß auf den anderen. Die Kälte dieses Wintervormittags lässt sie tänzeln – und ein bisschen auch die Nervosität. Als eine Limousine vorfährt, stehen die Oberstleutnants stramm, der Konteradmiral eilt zu der sich öffnenden Wagentür. Aus dem Auto steigt eine Dame mit blondem kurzem Haar, schwarzer Brille, flauschigem Wollpullover und wärmendem Lächeln. Der Admiral begrüßt die Frau vom Chef mit einem zupackenden Handschlag.

Martina de Maizière ist in eigener Sache nach Potsdam gekommen: Sie ist seit einigen Wochen Schirmherrin der Familienbetreuung in der Bundeswehr. Diese Aufgabe hat viel und zugleich auch nichts mit ihrem Ehemann zu tun, dem Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière. Viel, weil die 57-Jährige erst durch ihn der Bundeswehr nahegekommen ist. Nichts, weil der Wunsch, sich für die Soldatenfamilien zu engagieren, allein ihre Idee war. Viel, weil es als Frau des Ministers leichter ist, etwas zu bewegen und die Öffentlichkeit zu erreichen. Nichts, weil ihr Beruf die Supervision ist, sie also Kompetenz und Erfahrung im Umgang mit Menschen in schwierigen Lebenslagen hat.

"Ich denke, mein Mann freut sich, dass ich diese Schirmherrschaft übernommen habe. Wie ich die gestalte, ist allerdings meine Sache", sagt sie. "Ich halte mich aus der Politik meines Mannes raus, und er hält sich aus meinem Ehrenamt raus."

Anderthalb Monate nach ihrem Antrittsbesuch in Potsdam treffen wir uns vorige Woche in Dresden, wo die de Maizières zu Hause sind. Martina de Maizière ist eine Frau mit vollem Terminkalender, sie führt eine eigene Praxis für Supervision und Coaching, berät Menschen und Organisationen, leitet Kongresse, lehrt an der Evangelischen Hochschule, unterstützt die Diakonie Sachsen. Sie hat also mehr als genug eigenes Leben – wohl deshalb kann sie entspannt damit umgehen, dass sie in Bundeswehr und Öffentlichkeit nie nur als Schirmherrin gesehen wird, sondern stets auch als "die Frau von". "Mit dem Bundesverteidigungsminister verheiratet zu sein ist doch bei meinem Engagement für Soldatenfamilien von Vorteil", sagt sie.

Im politischen Berlin, wo hinter allem sofort ein Plan oder zumindest eine Absicht vermutet wird, fragen sich manche Beobachter allerdings, ob das Engagement seiner Frau nicht ebenso für Thomas de Maizière, der wegen seiner bürokratischen Korrektheit "Büroklammer" genannt wird, von Vorteil ist. Ob eine Ehefrau, die sich bei der Bundeswehr um das Menschliche kümmert, womöglich auch seinem Bürokraten-Image menschlichen Glanz verleihen soll, weil er sich für Größeres positionieren will, etwa für das Kanzleramt. Martina de Maizière bringt diese These zum Lachen, ein Lachen von tief innen, ehrlich amüsiert. "So denkt mein Mann nicht. Und so denke ich auch nicht", sagt sie. Büroklammrig finde sie ihn übrigens auch nicht.

Ihre Familie ist dem Osten seit Langem verbunden: Sie besaß hier einst ein Gut

So unbefangen wie jetzt hat Martina de Maizière anfangs nicht mit dem Amt ihres Mannes umgehen können. Immerhin hat sein Vorgänger Politpopgeschichte geschrieben – nicht zuletzt wegen der Frau an seiner Seite. Der smarte Karl-Theodor und die schöne Stephanie waren die "fabelhaften Guttenbergs" (Spiegel), denen der Bürger fast groupiehafte Zuneigung entgegenbrachte. Nachdem ihr Mann zum Verteidigungsminister ernannt wurde, hielt Martina de Maizière sich eine ganze Weile mit öffentlichen Auftritten zurück. Sie hatte keine Lust auf den permanenten Vergleich. Mit der schönen Erscheinung einer Stephanie zu Guttenberg könne sie eh nicht mithalten. Martina de Maizière sagt das mit fröhlicher Leichtigkeit. Einer der Sicherheitsleute habe ihr erzählt, wie großartig Stephanie zu Guttenberg Ski fahre, eine schwarze Abfahrt rückwärts hinunter, mal eben so. Mensch, wer wäre nicht gerne so sportlich, sie jedenfalls hätte nichts dagegen, so etwas auch zu können. Hier spricht eine Frau mit lässiger Distanz zu sich selbst. 

Thomas de Maizière ist in die Politik hineingewachsen, vom Berliner Rathaus über die Staatskanzleien und Ministerien in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen bis in die Spitzenämter der Berliner Republik. Für Martina de Maizière hieß das, sie musste nicht von jetzt auf gleich Politikergattin sein, sie konnte es werden. Ihr Mann hat einmal gesagt, in seinem Elternhaus habe gegolten: "Wenn du etwas machst, dann mach es richtig." Der Vater Ulrich de Maizière war Berufsoffizier, er prägte das Prinzip der Inneren Führung in der Bundeswehr, er wurde in den späten Sechzigern Generalinspekteur.

Die Mutter Eva war Bildhauerin, ihre Skulpturen sind in Weltstädten wie Berlin, Paris und Wien ausgestellt worden.