Eine Holzfigur, die Gestalt einer nackten Frau. Sie kniet auf dem Boden, ihr Gesäß ruht auf den Füßen. Füße und Beine bilden ein scharfes Zickzack, das übergeht in die Gerade des Rückens und zu dem schlanken Hals aufsteigt, auf dem der Kopf balanciert. Eine zweite Zickzacklinie: Sie beginnt an den Händen, die auf den Schenkeln ruhen, führt über den Arm zu den Schultern, knickt ab zu spitz zulaufenden Brüsten. "Maternité-Skulptur der Dogon", sagt der Katalog von Lempertz. Ohne Zweifel, die Frau hat geboren, ihre Brüste sind schwer von Milch, zwei winzige Gestalten ruhen in der Beuge ihrer Arme, eine links, eine rechts. Alle drei kommen am 22. Januar in Brüssel zur Auktion.

Die Mutterdarstellungen Afrikas haben einen eigenen Zauber. Wie lange ist es her, dass ich mit einem Kind nach Afrika reiste? Ich hatte mir das beschwerlich vorgestellt, ein unruhiger Junge, würden meine Gastgeber genervt sein, wie wäre das für ihn? Es war eine Offenbarung. Wir tauchten ab in eine Gesellschaft, in der Kinder erheiternde Normalität sind, fast unbegreiflich aus westlicher Perspektive, wo Kinder ein Problem sind und Familienglück unter Kitschverdacht steht.

Die afrikanische Verehrung weiblicher Fruchtbarkeit findet sich noch in touristischem Nippes, den Holzfigürchen am Wegesrand – Frauen, die sich zu einem Kind herunterbeugen, in einem Bogen von Liebe und Schutz. Diese Maternité wurde am Fuß des Bandiagara-Massivs in Mali geschnitzt, wo die Dogon ihre Häuser wie Kuben stapeln. Von dort gelangte sie, als koloniale Beute, in die Sammlung von Pierre Vêrité, der 1937 seine Galerie Carrefour eröffnet hatte, in der Picasso und Matisse sich inspirieren ließen. "L’Art Nègre" war und ist ein tolles Geschäft. Nächste Woche soll Los 30 bis zu 60.000 Euro bringen.