DIE ZEIT: Letztes Jahr um diese Zeit lief Kriegerin in den deutschen Kinos an, auch auf der Berlinale wurde der Film gezeigt. Waren Sie nervös?

David Wnendt: Natürlich war ich angespannt. Gerade in der Anfangsphase entscheidet sich oft sehr schnell, wie ein Film vom Publikum und von den Kritikern angenommen wird, ob er ein Flop wird oder nicht.

ZEIT:Kriegerin war sehr erfolgreich. Sie haben mit Ihrem Abschlussfilm an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam so gut wie alle wichtigen Preise der Branche gewonnen. Der Film war sogar im Gespräch, als deutscher Beitrag für den besten nicht englischsprachigen Film ins Rennen um die Oscars zu gehen. Ein recht reibungsloser Wechsel von der Hochschule auf den roten Teppich...

Wnendt: Ja, das könnte man meinen, auch wenn natürlich nicht immer alles durchgängig so positiv war. Nicht jeder mochte schließlich den Film. Aber es gab schon einige surreale Momente im letzten Jahr.

ZEIT: Welche?

Wnendt: Plötzlich stand ich beim wichtigsten deutschen Filmpreis auf der Bühne und habe meinen Eltern gedankt. Ich erinnere mich noch nicht einmal daran, was ich genau gesagt habe. Anschließend haben mir Filmemacher gratuliert, die ich schon seit Jahren bewundere und deren Arbeit ich sehr schätze. Das war schon verrückt. Gleichzeitig hat sich an meinem alltäglichen Leben nicht viel geändert. Abends läufst du über den roten Teppich, und morgens wachst du in deiner Zweizimmerwohnung in Berlin-Neukölln auf.

ZEIT: Was bedeutet Ihnen dieser Erfolg?

Wnendt: Er ist vor allem eine Bestätigung für meine Arbeit. Er sagt mir: Du bist auf dem richtigen Weg. Erfolg öffnet Türen, er sorgt dafür, dass ich weiterarbeiten kann.

ZEIT: Jedes Jahr verlassen unzählige Filmstudenten die deutschen Hochschulen. Manche arbeiten keinen einzigen Tag in der Branche, manche machen Werbefilme oder ein paar Kurzfilme, die in keinem Kino zu sehen sind. Ihnen gelang schon mit dem Abschlussfilm der Durchbruch. Warum haben gerade Sie es geschafft?

Wnendt: Ich glaube, künstlerisches Talent ist das eine. Zähigkeit und Durchhaltevermögen das andere. Ich wusste schon nach dem Abitur, dass ich Filme machen wollte – und habe mich damals auch an einer Schule beworben. Ich wurde aber abgelehnt. Erst Jahre später habe ich einen zweiten Anlauf genommen, und dann hat es geklappt. Aber natürlich ist auch Glück dabei. Dass der Film so gut angenommen wurde, war nicht vorhersehbar.

ZEIT: Was macht dann einen guten Filmemacher aus?

Wnendt: Ich kann diese Zähigkeit nicht oft genug betonen. Man muss etwas unbedingt wollen, dann klappt es auch. Mein Vater hat immer zu mir gesagt: Es ist mir egal, was du machst, du kannst Tischler werden oder Arzt oder eben Filmemacher, du sollst es nur unbedingt wollen. Und ich wollte immer Filme machen. Unbedingt. Als Filmemacher braucht man vielleicht ein Grundtalent, aber nicht die künstlerisch-talentiertesten Studenten werden unbedingt die erfolgreichsten. Ein guter Filmemacher kann auch mit Kritik umgehen, darf sich nicht alles zu sehr zu Herzen nehmen. Gleichzeitig muss ein Regisseur aber auch empfindsam sein und bleiben.

ZEIT: Haben Sie das an der Filmhochschule gelernt?

Wnendt: Die Ausbildung ist sehr praxisorientiert. Wir sind während des Studiums jede Woche rausgegangen und haben Filme gemacht. Da lernt man nicht nur das Handwerk, sondern auch, mit der Kritik der Professoren, mit Konkurrenzkämpfen und mit Schwierigkeiten bei den Dreharbeiten umzugehen. Da kommt man schon häufiger an seine Grenzen.

ZEIT: Gab es einen Moment in Ihrer Ausbildung oder auch danach, in dem Sie gedacht haben: Ich kann nicht mehr, so hart habe ich mir das nicht vorgestellt?

Wnendt: Ich glaube, dass ich ein relativ dickes Fell habe – und verhältnismäßig gut mit Kritik umgehen kann. Aber natürlich gab es Momente, in denen ich mit meinen Kräften am Ende war: Wenn mich ein Professor so sehr und auch so persönlich kritisiert hat, dass mir die Tränen gekommen sind. Wenn ich daran gezweifelt habe, ob ich gut genug bin. Auch kurz vor den Dreharbeiten für die Kriegerin habe ich einmal solche Magenschmerzen bekommen, dass ich ins Krankenhaus musste.