Dass eine offene Auseinandersetzung über die schulischen Leistungen der Reformpädagogik viel zu lange versäumt wurde, rächt sich längst. Internate, die sich ein klares leistungsorientiertes Profil geben, akquirieren problemlos genügend Schüler. Das Internat Schloss Neubeuern in Bayern zum Beispiel hat in den oberen Jahrgängen auf Tablet-PC-Klassen umgestellt, unterrichtet ab Klasse neun komplett papierlos – und freut sich über eine "durchgängige Vollbelegung". Andere Internate wie Salem oder Louisenlund bieten neben dem Abitur das International Baccalaureate (IB) als alternativen Schulabschluss an, der die Zulassung zu einem Studium an Hochschulen im Ausland erleichtert.

"Ein Internat, das keine Leistung bringt, wird Eltern nicht länger überzeugen", sagt German Denneborg vom bayerischen Kultusministerium. Interessierte Familien sollten sich genau ansehen, welche Ergebnisse das Internat im Abitur erreicht.

Für die Internate wird es eine schwierige Gratwanderung, im Kampf um eine möglichst hohe Belegung gleichzeitig auf eine leistungsstarke Schülerschaft zu achten. Während die einen damit beginnen, ihre Schüler nach besonders guten Noten auszuwählen oder mit gezielter Begabtenförderung zu werben, sichern andere Internate ihre Existenz mit Schülern ab, die vom Jugendamt geschickt werden. Bis zu 20 Prozent der Plätze werden an einigen Einrichtungen auf diese Weise mit Kindern aus oft sozial schwierigen Verhältnissen aufgefüllt.

Einen Trumpf haben die Internate noch in der Hand: Die Nachfrage aus dem Ausland steigt. Freie Plätze lassen sich derzeit problemlos mit den Kindern reicher Russen oder Chinesen besetzen. Von Internaten im Ausland weiß man allerdings, dass ein zu hoher Anteil internationaler Schüler einheimische Eltern eher abschreckt. Gerade die englischen Internate, die in den vergangenen Jahren stark von den Deutschen nachgefragt wurden, würden sich eher wieder vom Ausland abschotten, sagt der unabhängige Internatsberater Peter Giersiepen. "Wer sich in England als Eliteinternat versteht, hat nie mehr als 15 Prozent internationale Schüler."