ZEITmagazin: Herr Huber, warum hat man eigentlich immer das Gefühl, dass ein katholischer Bischof eine heilige Figur, ein evangelischer mehr ein hoher Verwaltungsfunktionär ist?
Wolfgang Huber: Das Zweite ist falsch, das Erste mag richtig sein. In der katholischen Kirche ist die Bischofsweihe ein eigenes Weihesakrament – und unverlierbar. Einmal Bischof, immer Bischof. Daraus erklärt sich bei den Katholiken die Redeweise vom Altbischof. Bei den Protestanten wird der Bischof in ein besonderes kirchliches Amt eingeführt mit der Bitte um Gottes Segen, aber nicht mit einem zusätzlichen Weihesakrament und einem damit verbundenen unverlierbaren Status. Deshalb kann ich mich so schlecht an die Anrede Altbischof gewöhnen. Als evangelischer Bischof trete ich, wenn ich aus dem Amt scheide, zurück ins Glied. Deswegen galt der Gedanke, der Papst könne zurücktreten, bis vor Kurzem als systemwidrig. Ich sehe in dem Rücktritt von Benedikt XVI. einen Ausdruck von Weisheit und Größe. Er zeigt, dass auch das Amt des Papstes ein Amt menschlicher Verantwortung ist.