Die Kanzlerhoffnung der deutschen Sozialdemokraten ist erschüttert. Zwar ist er nicht der Toskana-Fraktion zuzurechnen, doch wie jedem Nordeuropäer liegt natürlich auch ihm Italien am Herzen. Dort hätten nun zwei Clowns die Herzen der Wähler erobert – so ein Käse, bel paese , schoss es ihm durch den Kopf. In dieser schockierenden Erkenntnis steckt eine tiefe Wahrheit. Der Beruf des Clowns ist in der Politik allgegenwärtig. Berührend ist es beispielsweise, wie ein konservativer Parteiführer nach dem anderen in die Rolle des traurigen Hanswursts schlüpft. Dadurch wecken diese Spaßmacher nicht nur das Mitleid der Wähler, sondern besänftigen zugleich auch politische Gegner, die ihre eigenen Chancen steigen sehen. Aber auch der Bundeskanzler weiß mit seiner stets fröhlichen und heiteren Art nicht nur Kindern Freude zu bereiten. Es gibt allerdings keinen Staatszirkus ohne Weißclown. Der sitzt in der Hofburg und wacht mit Argusaugen darüber, dass sich nur kein allzu großer Übermut im Parlament einstellt. Der Clown dient also in der politischen Manege nicht nur bloß der Erheiterung, nein, er ist das Spiegelbild des Publikums. Wenn man über ihn lacht, lacht man automatisch über sich selbst: Denn in diesem Zirkus werden Possenreißer nicht von der Direktion engagiert, sondern die Zuschauer wählen sich ja ihre Clowns selbst. Diese Einsicht führt seltsamerweise beim Publikum fast nie zu einer befreienden Katharsis. Im Gegenteil, besonders bei der schwierigsten Clownnummer, sie heißt Wahlkampf, fällt es immer wieder auf, dass das Publikum regelmäßig auf die allerdümmsten Taschenspielereien der Spaßmacher hereinfällt. So wie auch in diesem Superwahljahr, in dem es ganz oft heißen wird: Send in the clowns!