Wiehernde Rindfleisch-Lasagne und grunzender Lamm-Kebab gehen gar nicht. Findet der Bauernverband. Als Lösung schlägt er vor: "Schweizer! Esst Schweizer Fleisch!" Gut, wörtlich hat das der Verband nicht gesagt, aber sinngemäß: Konsumentinnen und Konsumenten sollten regionale Lebensmittel kaufen, denn der Pferdefleischskandal sei Folge internationaler Handelstätigkeit. Und diese habe "schon fast dekadente Ausmaße angenommen".

Das ist nicht ganz falsch. Nur: Bauern betreiben selbst Einkaufstourismus. Ein Viertel aller tierischen Produkte könnte ohne ausländisches Futter gar nicht hier produziert werden. Besonders große Ausland-Shopper unter den Bauern sind Schweine- und Hühnerhalter. Die Faustregel lautet: Zwei von drei Schweinen sind importgefüttert, bei den Hühnern sind es drei von vier.

Ich habe einmal gefordert, dass 90 Prozent inländisches Futter drin sein muss, damit Fleisch als "Schweizer Fleisch" angepriesen werden darf. Nichts da, befand eine klare Mehrheit im Ständerat. Und schlug sich auf die Seite der Soja-Importeure.

Mit diesem Wunderstoff mästen viele Züchter ihre Schweine. Als die Sojapreise 2012 anzogen, riefen die Schweineproduzenten nach zusätzlichen Steuergeldern – im Umfang von 50 bis 70 Millionen Franken als "Soforthilfe" (lies: Später gerne mehr). Das ist etwa so, wie wenn ein Einkaufstourist vom Staat Geld wollte, weil im Ausland die Gemüsepreise gestiegen sind.

In der Fleischproduktion ist die mitsubventionierte Werbung gut für zarte Gemüter, der Rest ist für Hartgesottene. Als mit importiertem Eber-sperma ein Schweinevirus in die Schweiz kam, wurden 1.200 Schweine notgeschlachtet. In einem einzigen Betrieb. Das sind eher Gewerbebetriebe als Bauernhöfe. Obwohl der Bauernverband jetzt wieder mit dem "Tierwohl" hausieren geht, hat jedes vierte Rind, jedes zweite Schwein und mehr als jedes zweite Geflügel bei uns keinen regelmäßigen Auslauf im Freien. Dafür finden sich bei jeder dritten Mastpoulet-Herde Keime, die gegenüber allen Penicillinen und Cephalosporinen resistent sind. Bei Rindern und Schweinen ist jedes zwölfte Tier betroffen.

Laut Verfassung sorgt der Bund dafür, dass die Landwirtschaft auf den Markt ausgerichtet produziert. Wer will, kann aber auf einen Milchsee rudern gehen. Und dort über den ökologischen Leistungsnachweis nachdenken: 2010 musste mehr als jeder zehnte kontrollierte Betrieb so stark beanstandet werden, dass er Leistungskürzungen bekam. Dabei finden diese Prüfungen nur alle drei Jahre statt – und auf Vorankündigung.

Pro Natura hat mal die Einhaltung der Düngevorschriften überprüft, die zum ökologischen Leistungsnachweis gehören. In einem Kanton foutierten sich vier von fünf Bauern um die Vorschriften. Ich weiß nicht, ob das noch Schummeln oder schon Subventionsbetrügerei ist. Jedenfalls scheint dieses Verhalten bei gewissen Bauern so beliebt zu sein wie Jodeln und Hornussen.

Die Landwirtschaft ist uns lieb und teuer. Sehr lieb und sehr teuer sogar. Pro Hof lassen wir Steuerzahlerinnen und Steuerzahler etwa 60.000 Franken jährlich springen. Für ein landwirtschaftliches Einkommen von etwa 60.000 Franken pro Hof. Unser Motto heißt offenbar: "Staatsbauern" ja, Familienförderung nein.