Wer meint, die Euro-Krise sei allmählich überwunden, vergisst die europäischen Banken. Deren Krise ist überhaupt nicht vorbei. Zyperns Geldhäuser etwa brauchten Milliarden, um einen Schuldenschnitt in Griechenland zu überleben. Der Finanzkonzern Bankia erlitt mit 19 Milliarden Euro kürzlich den größten Verlust in der spanischen Wirtschaftsgeschichte. Und Deutschland? Die Commerzbank streicht rund 6000 Stellen, und auch die Deutsche Bank will massiv sparen.

Kein Wunder, dass einige europäische Institute derzeit äußerst niedrig bewertet sind. Wann, wenn nicht jetzt, sollten Konkurrenten aus dem nichteuropäischen Ausland zuschlagen? Chinesische Institute etwa, die üppig mit Kapital ausgestattet sind und in Europa neue Kunden gewinnen wollen. "Einige europäische Banken stehen zum Ausverkauf", sagte Wang Hongzhang, Vorsitzender der China Construction Bank, der britischen Financial Times. "Jetzt schauen wir uns nach der richtigen um."

Das Überraschende dabei ist: Den angeschlagenen Banken und den Volkswirtschaften der zugehörigen Länder könnte das sogar nützen.

In Mexiko kann man beobachten, was geschieht, wenn ausländische Banken einen Großteil der Geschäfte abwickeln. 1997 hatte das Land eine schwere Währungs- und Wirtschaftskrise hinter sich. Die Regierung entschied, den Bankensektor zu liberalisieren, ausländische Institute sollten die großen Geschäftsbanken Mexikos übernehmen und neue Banken eröffnen. Vor dem Beschluss waren nur 7 Prozent des Bankenvermögens in ausländischer Hand gewesen, inzwischen sind es 74 Prozent.

Stephen Haber von der Stanford-Universität und Aldo Musacchio von der Harvard Business School kommen zu dem Ergebnis, dass das Bankensystem Mexikos heute viel stabiler dastehe als jemals zuvor. Die beiden Wissenschaftler haben Bilanzdaten mexikanischer Banken aus 54 Quartalen ausgewertet. Demnach erlebte der mexikanische Bankensektor bis 1997 immer wieder Phasen sehr schnellen Kreditwachstums – mit verheerenden Folgen für das Land.

Noch Anfang der Neunziger, daran erinnern die Forscher, vergaben die Banken äußerst sorglos Kredite, denn die Regierung hatte ihren heimischen Finanzinstituten großzügige Sicherheiten garantiert. Es kam zur Bankenkrise, die meisten mexikanischen Institute, und gerade die großen, waren 1995 insolvent. Der Staat sprang ein, für die Steuerzahler wurde es teuer.

Danach verschärfte die mexikanische Regierung die Regeln, strengere Bilanzierungsvorschriften wurden erlassen, die Institute sollten ihre Risiken breiter streuen. Und man ließ nun all die ausländischen Banken ins Land. Die brachten selbst eine Reihe neuer Vorgehensweisen mit. Sie zentralisierten die Kreditvergabe und beurteilten die Kreditwürdigkeit strenger. Die Rate fauler Forderungen fiel durchschnittlich um 6,5 Prozent, nachdem eine ausländische eine mexikanische Bank übernommen hatte.

Der entscheidende Grund dafür ist folgender: Ausländische Geldhäuser haben im Gegensatz zu einheimischen Instituten bei einer Pleite viel mehr zu verlieren. Wenn sie schlecht wirtschaften, wird die Regierung des Landes ihnen wahrscheinlich nicht mehr unbegrenzte Garantien zusagen oder sie gar mit Steuergeldern von Inländern vor der Pleite im Ausland retten. Zudem würde im Fall eines Zusammenbruchs auch der Ruf im Heimatland leiden. All das sind Anreize für sie, Geschäfte sorgsam abzuwickeln.

Die Banken besitzen in Mexiko laut den beiden Forschern heute mehr Eigenkapital als vor 1997, und sie verzeichnen weniger Kreditausfälle. Zudem habe die Kreditvergabe an Unternehmen und Privatleute zugenommen – und die Banken gewährten Kredite zu niedrigeren Zinsen.

Die nächste große Krise, die ab 2008 besonders die Banken des Nachbarlandes USA traf, hat die Stabilität des mexikanischen Bankensystems kaum beeinflusst. In Europa war das anders.