Am Sonntag schallten die Totenglocken von Klagenfurt über Packsattel und Semmeringpass bis nach Wien. Nun flackern die Grabkerzen auf so manchem politischen Hausaltar. In Kärnten ist nicht bloß eine Landeshauptmannpartei abgewählt worden, und zwar so vernichtend, wie nie zuvor, sondern es ist ein politisches System entsorgt worden, das sich 25 Jahre zuvor im Süden der Republik einnisten konnte: das System einer ebenso kompromiss- wie hemmungslosen Vulgärdemagogie, das Jörg Haider einst zu seiner Günstlingswirtschaft verfeinerte.

In diesem System trafen Versatzstücke rechtsnationaler Ideologie und Großmannssucht aufeinander, Habgier und Machtrausch, Leichtsinn und kleinliche Ressentiments: ein politisches Hexengebräu. Um das Vermächtnis des angebeteten Giftmischers stritten nach dem Unfalltod des Idols gleich mehrere Fraktionen des einstmals Dritten Lagers. Gespalten, umgetauft, neuerlich vereint und erneut gespalten, manövrierten sich die Gruppierungen ins Abseits.

Noch im Haider-Gedenkwahlkampf des Jahres 2009 traten die Kärntner und die Wiener Spielart der populistischen Stimmenfängerei in direkte Konfrontation zueinander. Damals triumphierten Haiders Erben vom Wörthersee rund um den Landeshauptmann Gerhard Dörfler. Diese versöhnten sich daraufhin mit ihren Konkurrenten aus der Hauptstadt und brachten Skandale sonder Zahl mit in die neue freiheitliche Union, die zu diesem Zeitpunkt alle noch einer Aufarbeitung harrten. Die verhängnisvolle Mitgift sollte schon bald schlimme Folgen für die gesamte Partei haben.

Es reichte schon, dass einige wenige Glücksritter aus der korrupten Klasse aufflogen. Das Erbe war vertan. Für das freiheitliche Projekt, einen Anteil an der Verfügungsgewalt über die Ressourcen des Staates an sich zu reißen, ist dieses Ereignis fatal. Kärnten, das war Basislager und Rückzugsort zugleich. Es verlieh dem blauen Expansionsanspruch einen Hauch von Plausibilität: zumindest in diesem politischen Biotop hatten freiheitliche Funktionäre das Sagen.

Mag auch der Rest des Landes zunehmend angewidert auf die Selbstherrlichkeit der verschwenderischen Spaßkultur im Süden reagiert haben, solange Freiheitliche in Klagenfurt an der Macht waren, blieb die Partei ein Faktor, der weit über ihre Rolle als Radikalopposition hinausging.

Damit ist es nun bis auf Weiteres vorbei. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass freiheitliche Funktionäre in absehbarer Zeit wieder in Kärnten ein Maß an Einfluss zurückgewinnen könnten, das auch nur entfernt an ihre goldenen Jahre heranreicht. Vermutlich werden sie nun noch stärker in der Bedeutungslosigkeit versickern, eine Kleinpartei, der auch ihre alten Kampfthemen, allen voran der deutschnationale Sprachenstreit, kaum noch hilfreich sein können.

Jetzt haben sie nichts mehr zu verschenken, weder Pöstchen noch mildtätige Geldpräsente an Bittsteller aus der Bevölkerung. Auch die blauen Ortskaiser werden den tiefen Fall bald zu spüren bekommen, wenn die großzügige Bevorzugung ihrer Gemeinden aus dem Landesbudget versiegt.