Die Frage: Irene und Martin sind seit elf Jahren ein Paar. Sie leben mit Tochter Laura in einer Eigentumswohnung und können sich – beide selbstständig, sie als Beraterin, er als Anwalt – ihre Zeit so einteilen, dass immer jemand zu Hause ist und sich um das Kind kümmert. Alles läuft in ruhigen Bahnen.

Zu ruhigen, findet Irene. "Ich fühle mich wie ein Rad in einem Uhrwerk. So habe ich mir mein Leben nicht vorgestellt. Für Laura mag das sinnvoll sein, Kinder brauchen einen festen Rahmen. Aber ich mag nicht so eingesperrt sein, immer im Stundenplan, mit Wachablösung, Küchen-, Kinder- und Putzdienst. Ich weiß nicht, wann es das letzte Mal erotisch gefunkt hat zwischen uns!" Martin schweigt eine Weile. Dann sagt er: "Jammern auf Luxusniveau, nicht wahr? Zu einem Funken gehören zwei Pole!"

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Das hört sich nicht so an, als springe bald ein erotischer Funke, eher so, als gebe es bald eine Explosion, die das enge Gehäuse unterdrückter Erwartungen sprengt. Irene kündigt einen unbewussten Konsens auf, der die Liebesbeziehung in große Gefahr gebracht hat.

Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

Er lautet ungefähr so: Was nicht passt, wird passend gemacht, Sachzwänge haben Vorrang. Beruf und Kinderbetreuung werden organisiert, die Erotik soll von selber gedeihen. Vermutlich will Martin ebenso wie Irene einmal wieder richtig begehrt werden. Wer klagt, dass der Partner nichts tut, drückt sich vor der Einsicht in die eigene Untätigkeit. Vermutlich träumen sogar beide davon, belohnt zu werden für Verdienste im Familienalltag. Jeder will das Liebesmenü verspeisen, keiner möchte es zubereiten.