Es war voreilig, den Krieg in Mali als Erfolg zu feiern. In Gao, der größten Stadt des Nordens, ist das Leben derzeit gefährlicher als vor der Befreiung: Heftige Gefechte mit zurückgekehrten Dschihadisten, Selbstmordattentate, versteckte Minen. Weiter nördlich, in der von Tuareg bewohnten Wüsten-Region Kidal, hat der Krieg jetzt erst seine heiße Phase erreicht, mit schweren Kämpfen und Hunderten von Toten, vor allem aufseiten der Islamisten.
In diesem Gebiet gibt es keine neutralen Beobachter. Die französischen Streitkräfte haben sich diesen Umstand zunutze gemacht, um stillschweigend eine heikle Allianz einzugehen: Sie kooperieren in der Region Kidal mit den bewaffneten Rebellen der "Nationalen Bewegung für die Befreiung von Azawad", im französischen Kürzel MNLA. Das sind jene Tuareg-Kämpfer, die vor gut einem Jahr den Norden Malis im Handstreich eroberten und dabei den Islamisten und Al-Kaida halfen. Einige Männer, die nun als Frankreichs Verbündete in Kidal patrouillieren, hatten zeitweilig sogar führende Posten bei ebenjenen Islamisten.