An Orten, wo auffällig viele Plätze und Gebäude auffällig friedvolle Namen tragen, ist der Frieden selbst oft nur Fassade. In Panmunjeom trennen nur wenige Meter ein "Haus des Friedens", ein "Haus der Freiheit" und ein "Haus der Einheit", in Sichtweite liegt das "Dorf des Friedens" und das "Dorf der Freiheit". Namen, die beschwören, was es hier nicht gibt: Frieden eben, Freiheit, Einheit.

Panmunjeom liegt auf der Linie, die die Halbinsel Korea in Nord und Süd teilt. 428 Kilometer Grenze, auf beiden Seiten von einer zwei Kilometer breiten demilitarisierten Zone umgeben. Nur in Panmunjeom darf man sie besichtigen: einen schmalen Betonstreifen, auf dem schäbige blaue Baracken stehen. Hier wurde 1953 der Waffenstillstand zwischen Nord- und Südkorea vereinbart, nach drei Jahren Krieg, der drei Millionen Tote gefordert hatte. Bis heute sind die Baracken neutraler Raum für beide Staaten, wenn es Gesprächsbedarf gibt. Wenn nicht, besuchen Touristen Panmunjeom.

In Nordkorea kann man sich als Besucher nicht frei bewegen. Der Fotograf Jörg Brüggemann hat deshalb versucht, sich der Grenze von Süden her zu nähern. Er war in Observatorien, von deren Dach man mit Ferngläsern ins Grenzgebiet schauen kann. Unterm Dach erzählen Dokumente und Schaukästen vom Krieg, im Shop gibt es martialisches Spielzeug und Tand – eine seltsame Mischung aus Freizeitpark, Gruselkabinett und tatsächlichem Leid. Er war an Stränden, die mit Stacheldraht abgesperrt sind, zum Schutz vor einer Invasion. Und er war in Panmunjeom. Für die Tour dorthin, schärfte man ihm ein, dürfe er keine kurzen Hosen oder Hemden tragen. Der Feind sehe mit. Und es solle nicht so wirken, als gäbe es im Kapitalismus nichts anzuziehen.

Das Spiel vom Kalten Krieg ist für uns Deutsche erstarrt in Mauerresten und dem Checkpoint-Charlie-Häuschen in Berlin. Brüggemanns Fotos wirken da wie die Inszenierung eines Stücks aus der Vergangenheit: der breitbeinige US-Soldat, Teil der Truppe, die den Waffenstillstand überwacht. Nordkoreanische Soldaten, die durch das Fenster der Baracke die Touristen fotografieren. Südkoreanische Soldaten mit geballten Fäusten. Doch vor ein paar Tagen haben die beiden Länder in der blauen Baracke Nachrichten ausgetauscht. Nordkorea hatte eine Atombombe getestet, Südkorea ein Militärmanöver angekündigt, woraufhin Nordkorea mit Vernichtung drohte. Im Sommer jährt sich der Waffenstillstand zum 60. Mal. Als Wort ist der Frieden allgegenwärtig. Als Gefühl nicht.