Wenn sich Anfang März in Genf alle Hersteller versammeln, die in Europa ihre Autos verkaufen wollen, machen sich "Weltpremieren" besonders gut. Opel hat in diesem Jahr gleich vier davon im Programm: zwei Showversionen des kleinen Opel Adam, der in Eisenach gebaut wird; einen siebensitzigen Familienvan Zafira mit ultrasparsamem Dieselmotor, der aus Bochum kommen wird, und als Highlight das neue Mittelklasse-Cabrio namens Cascada.

Andere Hersteller wie Volkswagen können die der Zahl der Neuheiten zwar noch überbieten, dafür hat Opel aber noch etwas ganz Spezielles in petto: Erstmals präsentiert sich in Genf der neue Vorstandsvorsitzende Karl-Thomas Neumann.

Der 51-jährige Niedersachse stand einst dem Autozulieferer Continental in Hannover vor und war zuletzt der Chef der chinesischen Dependance des mächtigen Konkurrenten Volkswagen. Doch dann mochten die Granden des Wolfsburger Autokonzerns Neumann nicht mehr an der wichtigen Pekinger Schaltstelle haben, er verließ das Unternehmen.

Für Opel könnte dies ein Glücksfall sein. Der umgängliche Elektroingenieur gilt als ein deutscher Spitzenmanager mit Potenzial, einer, der anzupacken versteht und motivieren kann. Doch wird es ihm gelingen, bei Opel, der schwer angeschlagenen Tochter des US-Konzerns General Motors, die Trendwende zu schaffen? In einem Unternehmen, das nach Aussage seines Aufsichtsratschefs Steve Girsky, des Vizechefs von General Motors, mehr als zehn Jahre nur Milliardenverluste angehäuft hat?

In Genf gibt sich der frisch gebackene Opel-Manager Neumann optimistisch. Es ist sein dritter Arbeitstag beim Rüsselsheimer Traditionsunternehmen, und ein sichtlich zufriedener Steve Girsky lässt es sich nicht nehmen, den Neuen persönlich dem Fachpublikum zu präsentieren. Opel werde zu altem Glanz zurückkehren, verkündet Neumann auf der Bühne, "Opel ist zurück". Für das internationale Publikum und den Aufseher aus Amerika alles auf Englisch, natürlich.

Neumann freut sich besonders darüber, dass sich die Opel-Führung unmittelbar vor seinem Amtsantritt mit dem Gesamtbetriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall auf eine Vereinbarung für die deutschen Standorte geeinigt hat – inklusive des Standorts Bochum. "Glücklich" sei er darüber, sagt Neumann. Gut finde er, dass in Bochum viele Arbeitsplätze gerettet werden sollten. Welcher Teufel noch im Detail stecken könnte, will Neumann an seinem dritten Tag in der neuen Funktion aber nicht erläutern.

Auch General-Motors-Vize Steve Girsky gibt sich optimistisch: Es sei ein gutes Zeichen, dass Opel Anfang des Jahres seinen Marktanteil sogar leicht erhöht habe, meint er. Bei näherer Betrachtung sieht die Entwicklung allerdings nicht ganz so gut aus. Wie die Autobranche insgesamt hat auch Opel in den ersten zwei Monaten in Europa deutlich weniger Autos verkauft als im Vorjahr. Keiner der versammelten Konzernchefs in Genf wagt eine Prognose, wann die Talsohle auf dem schrumpfenden europäischen Markt erreicht sein wird. Die deutsche Konkurrenz kann dies durch höhere Verkäufe in Märkten wie China oder den USA ausgleichen – Opel nicht.

Bevor Karl-Thomas Neumann nach Genf gereist ist, hat er den Opel-Beschäftigten in vier Versammlungen seine Aufbruchsbotschaft verkündet. Und die leidgeprüften Opel-Händler erhielten einen aufmunternden Brief von ihm.

Drei Hauptaufgaben sieht Neumann bei seinem neuen Arbeitgeber vor sich. Zunächst will er weitere Kostensenkungen in allen Bereichen erreichen, weil man bei einer Million verkaufter Fahrzeuge keine roten Zahlen schreiben dürfe. Zweitens müsse die Marke aufpoliert werden, und drittens wolle er die Kultur verändern, eine "Gewinnerhaltung" müsse bei Opel her.

Nach so vielen schönen Worten schaltet Neumann einen Gang zurück: In seinem neuen beruflichen Zuhause in Rüsselsheim, sagt er weniger euphorisch, "wartet viel Arbeit auf mich".