Es gibt da einen Mentaltrainer, er selber nennt sich Hypno Master Coach, der behauptet, ein Mensch könne reich werden, indem er sich reich denke. In seinen Werbemails, von denen auch der Autor dieser Zeilen eine erhielt, schreibt Herr G., schon die bewusste Entscheidung, reich werden zu wollen, werde dazu führen, am Ende wirklich reich zu sein. Reichtum sei nämlich durch eine "bestimmte Geisteshaltung" und eine "spezielle Denkweise" gekennzeichnet. Und die, sagt Herr G. "können wir trainieren und lenken".

Wie das geht? Erstens müsse man sich vorstellen, reich zu sein. Zweitens dann spüren, wie das Gefühl von Reichtum und finanzieller Freiheit stark und motivierend wirkt. Drittens diesem Gefühl eine Bewegung hinzufügen, etwa das Ballen einer Faust oder das Zählen von Geld. Viertens diese Bewegung mit einem persönlichen Reichtums-Kennwort verbinden, und fünftens dann Bewegung und Wort im Alltag so oft wie möglich wiederholen. Das, sagt Herr G., führe schlussendlich zu einer "nachhaltigen Konditionierung" – und peng!, sei man "auf dem Weg in eine neue und reiche Zukunft".

Wow. Dass Autosuggestion für manche Menschen auf dem Weg zu Macht, Einfluss und Wohlstand eine wichtige Rolle spielt, ist ja weithin bekannt – Spitzenmanagern etwa hilft das Gefühl der eigenen Unentbehrlichkeit, einem Investmentbanker das der persönlichen Unfehlbarkeit. Dass aber nun auch Sie und ich mit ein paar Trainingstagen und ohne Lottoschein richtig reich werden können, ganz einfach, indem man immer wieder die Faust ballt und "Gold" murmelt...

Wenn man es recht bedenkt: Das wäre das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen. Soziale Ungleichheit wäre kein Thema mehr, über Gerechtigkeit, Reichensteuer oder Banker-Boni müsste man nicht länger diskutieren, die Systemfrage nicht mehr stellen. Es wäre das Paradies auf Erden.