Meine Damen und Herren, jetzt haben Sie ihn, den Schweizer Pass. Rot wie eine Erdbeere, er versüßt einem das Leben auch ohne Sahne obendrauf. Das ist eine besondere Erdbeere, mitten im Winter. Beißen Sie rein, meine Damen und Herren... nein, nicht in den Pass, sonst nimmt man Ihnen diesen wieder weg. Beißen Sie in die Erdbeere. Sie versüßt ihnen ab sofort das Leben, und das ganz ohne Kalorien.

Diese Erdbeere bringt einem Glückshormone, man nennt sie Endorphine, die Hormone, die glücklich machen. Da Sie jetzt glücklich sind, sind Sie wahre Endorphinbomben. 500 oder 600 Endorphinbomben, das ist schon eine ganze Menge. 500 oder 600 Überglückliche. Würde man ihnen allen ein wenig von diesem Glückshormon abnehmen und es ins Trinkwasser der Stadt Zürich geben, wären wir alle die glücklichsten Menschen der Welt.

Aber halt, das sind wir doch alle schon – die glücklichsten Menschen der Welt. Zürich liegt immer auf den vordersten Plätzen bei der Lebensqualität, und der Zürcher/die Zürcherin erklärt andauernd, hier ausgesprochen glücklich zu sein. Wir sind also alle ausgesprochen glücklich hier! Hören Sie? Ganz, ganz glücklich. Niemand soll etwas anderes sagen. Und weil wir alle so glücklich sind, können Sie Ihr Glück ganz für sich behalten. Sie werden es brauchen, denn auf ein ganzes Leben gesehen, ist das gar nicht viel.

Ja, wir sind alle so glücklich hier, dass wir etwas davon den Griechen geben könnten, den Kongolesen oder den Spaniern. Wir sollten Glück sammeln, von Tür zu Tür, von Haus zu Haus, und es dort hinschicken, wo es gebraucht wird. Hilfspakete voll mit Glück. Obwohl... so viel Glück kann es gar nicht geben. Das ist mir doch suspekt, und ich frage mich, ob die Stadtregierung nachts nicht doch Glückshormone ins Trinkwasser mischt. Wissen Sie was darüber, lieber Herr Stadtrat Lauber? Läuft da eine versteckte Aktion? Etwas, was wir nicht wissen? Werden die Bürger dieser Stadt konspirativ von höchster Stelle mit Glück gedopt?

Den Sozialdemokraten wäre es zuzutrauen, diesen ewigen Idealisten. Diesen Optimisten. Sie wollen dauernd den Menschen zu seinem Glück führen. Während die anderen..., die anderen, sage ich, die von rechts, immer so mürrisch, so grimmig, so besorgt herumgehen, dass man sie gern in die Arme nehmen und ihnen sagen möchte: "Mensch, entspann dich doch ein wenig. Willst du ein paar Endorphine?" Aber nein, lieber lebt man nach dem Motto: "Die nächste Katastrophe kommt bestimmt, also wozu glücklich sein?" Ach, immer diese Saure-Gurken-Zeit. Und man vermiest auch den anderen die Laune.

Aber was verstehe ich schon davon, dass die Welt untergeht? Ich bin sowieso seit 32 Jahren mit Glück gedopt, seit diese Stadt mich und meine Eltern aufnahm. Wir hatten Glück im Unglück, wir kamen aus Osteuropa, jeder musste einsehen, dass man solche wie uns nicht zurückschicken konnte in die Arme von Breschnew, Honecker oder Ceauşescu. Das war also unser erstes Glück, danach kam das Trinkwasser von Zürich. Das gute, saubere, perfekte Leitungswasser. Also was verstehe ich schon davon, dass griechische Krankenhäuser keine Medikamente mehr haben und spanische Menschen von den Banken auf die Straße gestellt werden? Vor etwa 17 Jahren habe auch ich eine solche süße, saftige Erdbeere bekommen, und ich kann sie nur empfehlen. Beißen Sie rein, meine Damen und Herren, in die Schweizer Erdbeere. Sie macht für immer glücklich.