Finanzbetrüger sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Früher schickten sie einem noch ausgefeilte Angebote zu, warben viele Zeilen lang für "garantiert sichere" Geldanlagen, mit deren Hilfe sich 10.000 Euro "nur binnen einer Woche verdoppeln" ließen. Oder für lukrative Geschäfte in Nigeria, was einem das Gefühl vermittelte, das Streben nach Gewinn mit Engagement für die Armen verbinden zu können. Mit etwas Wagemut konnte man demnach sagenhafte Renditen einstreichen, nur musste man sich – natürlich – sehr schnell entscheiden, sonst kamen einem andere zuvor, bitte, hier überweisen.

So viel Mühe mag sich heute keiner mehr geben. Seit Kurzem häufen sich in meinem Mailaccount Nachrichten voller Fehler, wie diese: "Sehr geehrt Herr, Ich möchte einen Transfer von 20.000.000 Pfund Sterling zu machen. auf jedes Bankkonto Ihrer Wahl. Ich gebe Ihnen 40 Prozent, nachdem die Übertragung erfolgreich abgeschlossen wurde, bitte geben Sie Ihre Zinsen und zurück zu mir, und ich werde Ihnen die Details. Danke." Ein anderer Zeitgenosse verzichtete gleich auf Betreff und Unterschrift, bot mir lieber Hilfe an: "Do you need financial assistance to finance your business, studies etc? Then contact us asap – das heißt as soon as possible, also so bald wie möglich – for more info on how to apply." Da fühle ich mich doch nicht ernst genommen als potenzielles Opfer.

Manchmal frage ich mich, ob Finanzbetrug einfach der letzte Trend ist in Sachen Spam. Manchmal frage ich mich dann auch, ob es vielleicht ganz ähnliche Mails waren, die 2006 oder 2007 in deutschen Landesbanken landeten. Ob deren Mitarbeiter lachten, aus Spaß auf "Antworten" drückten, "Klar, bin dabei, hier 500 Millionen" und erst viel zu spät merkten, dass es kein Spam war, sondern das Angebot einer US-Investmentbank – und dass das Lachen in New York viel lauter ausfiel. So, ja so muss es gewesen sein. So lässt sich alles erklären.