Unglaublich, wie man heute mit einer falschen Handbewegung über Nacht zum unfreiwilligen Medienstar werden kann. Gefährdet sind insbesondere ältere Zeitgenossen, also Menschen, die Facebook für einen Club halten, dem man auch mit einer Schreibmaschine beitreten kann. Sie scheinen häufig in die Falle zu tappen. Wie Rainer Brüderle. Steht an einer Bar herum, tut, was er seit Jahrhunderten tut. Konnte er damit rechnen, dass die junge Dame das aufschreiben würde? Wo er noch in einer Welt mediensozialisiert wurde, in der es einen väterlichen Chefredakteur gab, der bei Ansicht des Manuskripts die Kollegin zu sich gebeten hätte, ihr die Hand auf die Schulter gelegt und ihr erklärt hätte, dass sie sich doch als attraktive junge Frau nicht zu grämen brauche, wenn sie einem Mann gefalle, ganz im Gegenteil, freuen solle sie sich darüber! Aber so war es nicht, und der Rest ist Mediengeschichte.

Klicken Sie auf das Bild, um weitere Artikel der Serie "Gesellschaftskritik" zu lesen. © Frazer Harrison/​Getty Images

Kalt erwischt hat es im letzten Jahr auch eine 85-jährige Spanierin, Cecilia Giménez, die in der Kirche ihrer Heimatstadt tat, was sie schon immer getan hatte, nämlich das Jesus-Fresko auffrischen. Mit etwas Farbe. Dabei entglitt ihr der Pinsel, aber statt aufzuhören, malte sie weiter, in der Hoffnung, es zu verbessern. So entstand eines der süßesten Jesusbilder der Kirchengeschichte, der Mecki-Jesus ("Fresko-Fiasko"), der ein Facebook-Hit wurde. Cecilia fand’s nur so mittellustig: "Ich habe mein ganzes Leben lang gemalt, um zu entspannen und um mein Unglück zu vergessen", sagt sie. Sie ist Witwe und kümmert sich um einen behinderten Sohn. "Als Künstler möchte man bekannt sein. Aber nicht für ein Werk, auf das man nicht stolz sein kann", sagte sie. Und dass sie gerne die Chance gehabt hätte, ihr Werk zu Ende zu bringen. Hatte sie nicht. Vor allem weil der Jesus im Körper eines Igels seither Zehntausende Besucher in das Kirchlein lockt.

In England hat es nun eine 67-Jährige erwischt. Es geschah an einem nebligen Tag in dem Städtchen Grimsby. Große Aufregung, denn Kate Middleton war zu Gast. Nicht ahnend, dass Handykameras auf sie gerichtet waren, überreichte eine Frau aus dem Volk der schwangeren Prinzessin ein Stofftier. Daraufhin Kate artigst: "Thanks, I’ll take that for my d..." Doch Sandra Cook, 67, war auf Zack und fragte zurück. "Haben Sie sich gerade versprochen? Wollten Sie Tochter sagen?" Seither glaubt die Welt, dass es ein Mädchen wird. Und Frau Cook hofft, dass sie sich nicht verhört hat und Kate nicht etwa d wie dog, dump (Müllhalde) oder Duke of Edinburgh hatte sagen wollen.