Hotelpool auf Mallorca
Eine schätzungsweise dreißigjährige Frau liegt in der Sonne. Die Frage, welches Buch sie dabei liest, erübrigt sich. Das Cover ist von Weitem zu identifizieren.

"Entschuldigung, darf ich Sie mal was fragen?"

"Ja, klar."

"Ist Shades of Grey für Sie speziell Urlaubslektüre?"

"Ich hab den ersten Band schon daheim gelesen, das ist der zweite."

"Respekt, Sie haben ja Ausdauer."

"Also, wenn ein Buch so spannend ist, komm ich da nicht mehr von los."

"Weiß Ihr Mann, dass Sie das lesen?"

"Also, wenn Sie’s sooo genau wissen wollen, ich bin nicht verheiratet."

"Dann sind Sie im Urlaub auch ein bisschen auf Männersuche?"

"Na, hörn Sie mal, seh ich vielleicht so aus?"

"Nein, nein, ich überlege nur, ob man als unverheiratete Frau irgendwie anders auf neue Männer schaut, wenn man Shades of Grey liest, die Sexszenen sind ja schon speziell."

"Also Entschuldigung, diese ganzen Sexszenen haben doch mit mir nichts zu tun, das ist doch alles erfunden. Haben Sie mal ein Foto von der Frau gesehen, die das geschrieben hat?"

"Ja."

"Die hatte doch nie im Leben einen Liebhaber, der so drauf ist."

"Bin ich mir nicht sicher."

"Aber ich, hundert Pro."

"Ich hab noch eine Frage. Shades of Grey wird ja garantiert verfilmt, und ich finde es spannend, wer dann den Liebhaber spielt."

"Keine Ahnung."

"Vom Typ her eher Götz George oder Heiner Lauterbach?"

"Na, die doch sowieso nicht, das sind doch deutsche Schauspieler!"

"Im Film könnte die Geschichte doch auch in Deutschland spielen."

"Nee, aber wirklich nicht. Sie haben ja Ideen."