Es gibt kaum etwas, was Menschen nicht tun, um beim anderen Geschlecht gut anzukommen. Sie machen Diäten, lassen sich liften, lachen über schlechte Witze, sind nett zu garstigen Schwiegermüttern und verprügeln muskulöse Konkurrenten. Der Wunsch nach Bewunderung und Zuneigung von Männern respektive Frauen ist eine der stärksten Triebkräfte der Menschheit überhaupt. Vieles, wonach wir streben – Geld, Status, Sicherheit, Anerkennung, Prestige –, dient diesem Ziel.

Umso erstaunlicher ist es, dass diese Sehnsucht selten eine Rolle spielt, wenn Buchautorinnen über die Frage nachdenken, warum Frauen es seltener nach oben schaffen. Die Antwort ist eigentlich ganz naheliegend: Der Beziehungsmarkt, so würden Ökonomen es formulieren, hält für Frauen weniger Belohnungen für anstrengende Investitionen in die Karriere bereit.

Gerade ist in den USA wieder ein viel beachtetes Buch zum Thema erschienen, diesmal von der Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg, einer der reichen Erfolgsfrauen aus dem Silicon Valley. Sandberg wirft ihren Geschlechtsgenossinnen vor, nicht hart genug zu kämpfen. In Deutschland hatte zuletzt die frühere taz- Chefredakteurin Bascha Mika die "Feigheit der Frauen" attackiert.

Was aber, wenn Frauen sich ganz rational verhalten? Wenn sich hinter der vermeintlichen Zurückhaltung oder Dämlichkeit ein klares Kalkül verbirgt? In Sandbergs Buch wird ein Experiment erwähnt: Zwei Testgruppen sollen beurteilen, wie sympathisch ein erfolgreicher, aggressiv verhandelnder Wagnisfinanzierer ist. Im ersten Versuch heißt er Howard, im zweiten Heidi. Obwohl sich beide gleich verhalten, bekommt Howard viel bessere Sympathie-Noten. Damit hat Sandberg eigentlich das Phänomen erklärt, das sie in ihrem Buch bestaunt: Was Howard darf, darf Heidi noch lange nicht.

Sie sollte den Heidis dieser Welt daher nicht vorwerfen, dass sie weniger Lust auf Karriere haben. Auf sie wartet ganz oben vorläufig noch weniger Glück und Spaß.