Oha. Die dpa hat gelegentlich eine Art, Nachrichten zu formulieren, die herzlos ist. "Deutsche Männer mit Normalgewicht sind in der Altersgruppe von 35 bis 39 jetzt in der Minderheit", hieß es letzte Woche schnöde. Was soll man dazu sagen? Einer kleinen Privatumfrage zufolge sagen die Leute: Uähhhaaawürg!

Bäuche, die sich wölben. Falten aus Fett, Cellulitedellen – gibt es dafür nicht Frauenmagazine? Und dumme Gänse, die sie lesen? Wie haben Männer es verdient, Männer im besten Alter, derart bloßgestellt zu werden? Männer, die seit Jahren mit Takt dazu schweigen, dass ihre Liebsten beim Rendezvous Salat, Kohl und Sprossen wegschreddern wie der Osterhase in McGregors Garten, und die nun zur Strafe rüberkommen wie Begleitpersonal im Speckmantel?

Wir haben Männer der Altersgruppe 35 bis 39 zu lange als junge Helden wahrgenommen, um die Krise zu bemerken. Die Generation der 35- bis 39-jährigen Männer ist natürlich nicht wirklich jung. Tatsächlich hat es lange so gewirkt, als würde diese Kohorte nie altern, sondern mit den Jahren eher Jahre abwerfen, weshalb meine Freundin B. darauf verfiel, Männer dieser Generation mit der Bemerkung vorzustellen, sie seien zwar jung, wenn auch keineswegs so jung, wie sie wirkten. Generation Golf! Haben so viel erreicht! Es sind die Florian Illiese unserer Welt, wenn man den googelt, sagt Google unter: "wird auch oft gesucht" – Christian Kracht! Gottfried Benn! Rolf Dobelli! Robert Musil und, hups, Else Lasker-Schüler, nobody is perfect.

Heute verliert sogar die Imago des ganz jungen Mannes an Kontur; in der Altersgruppe 18 bis 19 Jahre finden sich nicht weniger als 20 Prozent von Fettleibigen. Unsere Boys! Die man liebevoll als Hänflinge bezeichnete; die Ladyfeministin Germaine Greer hat sie als die Männergruppe benannt, der reife Frauen sich zuwenden sollten, so frisch, so freundlich, wie die sind, süße Typen, welche auch die Schwulenkalender des Jahres 2013 bevölkern – nun, sie sind geoutet, als Traumgestalten, aus dem Abspeckungsprogramm von Photoshop.

Männer haben es lange beherrscht, ihre Silhouette schlank zu halten. Kaum ein Mann, der sich, wie Mädels es so blöde tun, die Ideallinie dadurch versaut, dass er den Unterarm abspreizt und als Haken für kostspielige XXL-Taschen benutzt. Bei Männern: Fäuste in Hosentaschen, das musste reichen. Jedenfalls bis 50. Dass alte Männer dick sind, ist ja normal. Der Aga Khan, Helmut Kohl, der Dicke – Gott hab ihn selig – fanden trotzdem nette junge Frauen. Warum? Fette alte Männer wirken, als hätten sie auch fette Brieftaschen, jedenfalls eine schwerwiegende Machtanhäufelung, weshalb acht von zehn Männern dieser Altersgruppe versuchen, zumindest äußerlich diesen Eindruck zu erwecken. Es sind die jungen Männer, um die man sich Sorgen macht.

Körperschwellungen an der falschen Stelle können sich hinderlich auswirken, nicht nur beim Sex. Wir wollen nicht gleich nach den Kosten für unser Gesundheitssystem fragen, ob wir bereit sind, der Generation Golf die gewichtszermürbten Knie mit Silikon zu retten. Die Fragen müssen tiefer bohren: Warum verschanzen sich junge Männer hinter Speckwülsten?

Sind es die Frauen, die auf fleischfarbenen Lackpumps an ihnen vorbeistaksen? Männer wie Til Schweiger, der im Tatort den Arnold gibt und am Ende wie ein Untoter wirkt, den nur Heftpflaster zusammenhalten? Wo bleiben die wirklich lockenden Lebensperspektiven für junge Männer? Wir haben es womöglich mit einer Abpolsterung gegen die Zumutungen des Lebens zu tun, ähnlich wie jene, mit denen Föten ausgestattet werden, bevor sie sich auf die harte Tour durch den Geburtskanal in das noch härtere Leben machen. Fanden doch damals alle so knuffig, jedenfalls Mutti! Aber fürs Leben reicht es nie, das ist die bittere Wahrheit, ihr lieben Männer.