Die Frage: Ulrich und Elisabeth sind seit sechs Jahren liiert. Sie haben einen Sohn im Kindergartenalter, Elisabeth hat aus einer früheren Beziehung eine Tochter, die in die vierte Klasse geht. Sie kämpfen oft und versöhnen sich im Urlaub wieder. Sie denken dann sogar daran, zu heiraten und den zermürbenden Streit darüber zu beenden, ob ihre Beziehung nun ein Missgriff war oder nicht.

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Ulrich wirft Elisabeth vor, sie sei oft schlecht gelaunt und rücksichtslos. Sie schreit ihn an, wenn ihr etwas nicht passt. Ulrich fühlt sich dann gekränkt. So verhält man sich doch nicht in einer Familie! Das hat er zu Hause nie erlebt! Elisabeth sieht keinen Widerspruch zwischen ihrer Liebe zu Mann und Kindern und ihren Ausbrüchen. Im Gegenzug findet sie Ulrich kalt und ungerecht.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Solange Ulrich und Elisabeth verliebt aufeinander bezogen waren, solange sie einander die Wünsche von den Augen ablasen, mussten sie sich nicht um Unterschiede kümmern, die sie mitbringen. Ulrich kommt offenbar aus einer Familie, in der Konflikte durch Rückzug gelöst werden und kein lautes Wort fällt. Elisabeth findet ihre Ausbrüche harmlos, verglichen mit den Szenen, die sie zu Hause erlebt hat. Sie wäre froh, wenn Ulrich sie anschreien und sich dann mit ihr versöhnen würde, mit seiner Eiseskälte kommt sie nicht zurecht. Wenn nun jeder glaubt, die schlechte Stimmung werde durch zu viel Hitze oder Kälte des Partners produziert, leben die beiden zwischen Feuer und Eis. Gemütlich wird es erst, wenn beide sich für eine fremde Familienkultur erwärmen.