Diamonds Are a Girl’s Best Friend trällerte schon Marilyn Monroe unter der Dusche beim Haarewaschen. Zumindest hätte sie es wohl getan, wenn sie damals schon das neueste Pflegeprodukt aus dem Hause Beiersdorf gekannt hätte: "Nivea Glanz Pflegeshampoo Diamond Gloss mit feinen Diamant-Partikeln". Es verleiht dem Haar angeblich "wunderschöne Lichtreflexe", "belebt seine Brillanz" und unterstützt so den Geltungsdrang jeder noch so graumäusigen Kundin. Was Diamanten nicht alles bewirken sollen.

Die Partikel entpuppen sich beim Blick auf die Zutatenliste allerdings schnell als schnöder Diamantstaub. Die Industrie schätzt diesen seit Langem als gut recycelbares Abfallprodukt. Bevor Diamantstaub zum Shampoobestandteil aufstieg, kam er vor allem bei der Härtung von Bohrköpfen, als Schneidwerkzeug und Schleifmittel zum Einsatz. Weil er hart ist. Nicht etwa weil er glänzt (was er im Übrigen gar nicht tut). Was das Zeug im Shampoo zu suchen hat, bleibt das Geheimnis des Herstellers. Einer Leserin fiel diese wunderbare Pseudoinnovation auf, vielen Dank dafür!

Wenn das Haar nach der Diamantwäsche glänzt, liegt es also nicht an den Edelsteinen, was die Produktbeschreibung freilich suggeriert. Wer kein Geld für Diamantshampoo hat: Haarglanz verschafft auch eine natürliche Fettschicht, die sich – wenn man auf jede Haarwäsche verzichtet – früher oder später ganz von allein einstellt.

Ansonsten tut es auch ein ganz normales Shampoo, was zudem manchen Nachteil erspart. In ihrer Eigenschaft als Schleif-, Bohr- und Schneidmittel könnten an der Kopfhaut angewandte Edelsteine sonst womöglich zu hässlichen Nebenwirkungen führen und dem Wort Blutdiamanten eine völlig neue Bedeutung verleihen.