Eines Morgens, es war im Jahr 1991, und ich befand mich gerade im Irak, erwachte ich aus einem sehr beunruhigenden Traum. An den genauen Inhalt konnte ich mich nicht erinnern, nur an das Gefühl, dass es jemandem in meiner Familie sehr schlecht ging. Da ich mich nur äußerst selten an meine Träume erinnere, rief ich sehr besorgt zu Hause an und erfuhr, dass meine Zwillingsschwester Efua ins Krankenhaus gebracht werden sollte. Es stellte sich heraus, dass sie an einer Virusinfektion litt. An der ist sie dann im Krankenhaus gestorben.

Einige Jahre später sah ich meinen Vater in einem Traum. Er lag da wie aufgebahrt, auf dem Rücken, die Hände über der Brust gekreuzt, die Augen geschlossen. Kurz nach dem Aufwachen erfuhr ich, dass er in der Nacht gestorben war.

Abgesehen von diesen beiden erinnere ich mich so gut wie nie an meine nächtlichen Träume. Dennoch sind Träume für mich von großer Bedeutung. Der Traum, mit dem für mich alles begann, war die Sehnsucht nach Wissen und Erkenntnis. Als junger Mann wünschte ich mir, eines Tages im Ausland zu studieren und eine Bildung zu erlangen, die es mir ermöglichen würde, meinen Heimatkontinent Afrika in seiner Entwicklung zu unterstützen. Ich bin in der Zeit der Unabhängigkeitsbewegungen aufgewachsen, damals hat eine ganze Generation von einem aufblühenden und wohlhabenden Afrika geträumt.

Diese Hoffnung habe ich trotz aller Rückschläge nie aufgegeben. Heute träume ich davon, Kleinbauern in Afrika darin zu unterstützen, ein kleines Gewerbe aufzubauen, damit sie ihre Familie ernähren und das Lebensnotwendige kaufen können. Wenn es uns gelingt, die Produktivität dieser Armee von Kleinbauern zu steigern, werden sie nicht nur ein besseres Leben haben, sie werden auch in der Lage sein, Afrika zu ernähren. Und der Export ihrer Nahrungsmittel wird der ganzen Welt zugutekommen. Dafür kämpfe ich.

Ich bin ein realistischer Träumer. Wer seinen Traum verwirklichen will, muss sich der Schwierigkeiten bewusst sein, die es zu überwinden gilt, und hart für sein Ziel arbeiten. Aber alles beginnt mit einem Traum: jede wegweisende Idee, jede Veränderung. Es gibt natürlich immer wieder Momente, in denen wir zu der bitteren Erkenntnis gelangen, dass unsere Träume an der Realität scheitern können. Zum Beispiel war es ein Albtraum für mich, dass wir den Krieg im Irak trotz all unserer Bemühungen nicht verhindern konnten. Ebenso schlimm war der Tag, an dem ich meine Friedensmission in Syrien aufgeben musste, weil sie zu keinem Ergebnis führte.

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In solchen Momenten, in denen ich vergeblich versucht habe, Menschen davon abzuhalten, sich gegenseitig umzubringen, habe ich manchmal davon geträumt, einfach im beschaulichen Genf bleiben zu können, den Frieden zu genießen, ein wenig Golf zu spielen oder mit meiner Frau in den Bergen zu wandern, fernab der Menschen und aller Kriege. Aber schon nach kurzer Zeit hat stets das Pflichtgefühl gesiegt. Und die Überzeugung, dass ich kämpfen muss für meinen Traum von einer Welt, die ihre Konflikte friedlich löst.

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