Niemand kennt die Geheimnisse der österreichischen Innenpolitik besser als der Chef der Freiheitlichen. Niemand analysiert dieses Metier klarer, niemand argumentiert logischer, ist sachlicher in seiner Argumentation. Der Mann verliert schlicht nie die Kontrolle. Deshalb ist die Analogie, die dieser Politiker jüngst zur Diskussion stellte, bemerkenswert. Da die Wiener Sozialdemokraten mit einer Infrastrukturabgabe für Immobilienbesitzer liebäugeln, rückte er sie in die Nähe einer urbanen Mafia, mit der verglichen, die Camorra sogar noch eine gemäßigte Organisation sei. Nun muss man wissen, dass der Begriff Mafia auch aus dem Arabischen abgeleitet werden kann, wo eine klanglich verwandte Redewendung die Bedeutung "Schutz bieten" besitzt.

Der Mafia-Vergleich ist also durchaus zutreffend, denn in diesem Fall würde die neue Abgabe Wohnungsmieter, die ja meist knapp bei Kasse sind, vor der Habgier von Wiener Großgrundbesitzern beschützen. Ein sozialer Akt, wie er auch in anderen Bereichen des kommunalen Zusammenlebens zu beobachten ist. So schützt die Wiener SPÖ die Stadt auch immer wieder vor allzu großen Veränderungen, besonders wenn sie den Beamtenapparat betreffen würden, und befolgt dadurch treulich das Naturgesetz, demnach in dieser Stadt ein roter Bürgermeister regiert.

Ursprünglich entstand der streng hierarchisch organisierte Geheimbund, der seine schützende Hand jedermann aufzwingt, im Süden, wo häufig sehr archaische Zustände vorzufinden waren. Auch bei dieser Ursprungsgeschichte der Mafia ergeben sich erstaunliche Parallelen zu Österreich. Die Kärntner ’Ndrangheta fiel in der Vergangenheit durch rege Geldbeschaffung in allen erdenklichen außergesetzlichen Geschäftsfeldern auf. "Unsere Sache", Italienisch cosa nostra, hat dort absoluten Vorrang, und bis vor Kurzem konnten die Kärntner Wähler die Angebote, die ihnen die Landesregierung unterbreitete, nicht ablehnen. Bis heute erzählen die Leute gerne von einem legendären Paten in Klagenfurt, der weit über den Einflussbereich seiner Familie große Bewunderung genoss. Im apulischen Ausdehnungsgebiet der Mafia spielt auch das Symbol der Krone eine wichtige Rolle, allerdings gilt sie als heilig und geeint, weshalb sich ihre Gefolgsleute auch Sacra Corona Unita nennen. Dort, wo der Don von der Donau das Sagen hat, steht ebenfalls eine Krone im Zentrum der Stadträson. Sie erinnert aber eher an einen Papierdrachen, welcher der roten Familie Beistand leistet, wodurch sie in ihrer Selbstsicherheit mutig und schön zugleich wirken. Und genau das bedeutet mafiusu noch heute im innersizilianischen Dialekt. Eine ehrenwerte Gesellschaft mithin.