Zahlen wäre für Christian Wulff die billigste Lösung. Gegen 50.000 Euro, so lautet das Angebot der Staatsanwaltschaft Hannover nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung, will sie keine Anklage gegen den früheren Bundespräsidenten und dessen Freund, den Filmproduzenten David Groenewold, erheben. Wulff wird Bestechlichkeit vorgeworfen, Groenewold Bestechung.

Wulff wäre damit nicht vorbestraft, aber in der Öffentlichkeit könnte sich der Eindruck festsetzen, dass irgendwas doch gewesen sein muss. Denn die meisten dürften den Überblick über die Details dieses verworrenen und umstrittenen Verfahrens längst verloren haben.

Wulff, der sich zu Unrecht verfolgt fühlt, war zunächst nicht geneigt, das Angebot zu akzeptieren. Auch seine Anwälte raten ab. Doch ein Freispruch könnte noch teurer werden. Das Gericht muss zwar die gesetzlichen Gebühren erstatten, die Anwaltskosten würde das aber bei Weitem nicht abdecken.

Noch weitaus schwerer sind die emotionalen Kosten abzuwägen: Nach anderthalb Jahren sind alle Beteiligten am Ende ihrer Kräfte. Würde Wulff vor Gericht ziehen, dann wäre er nicht länger Beschuldigter, sondern Angeklagter. Die Bilder von ihm und seiner Noch-Ehefrau wären in allen Medien. Die Kinder, die gerade die Trennung der Eltern verarbeiten müssen, würden womöglich darauf angesprochen. Am Ende stünde vielleicht ein (teurer) Freispruch.

Es ist keine leichte Entscheidung, und trotzdem ist es für Wulff eine Befreiung, dass er wieder etwas entscheiden kann. Denn vom Politiker und Akteur hat er sich in ein Objekt von Zuschreibungen verwandelt.

Längst geht es nicht mehr um Hauskredite, Flitterwochen oder Gefälligkeiten für Versicherungsbosse. Die Vorwürfe sind zusammengeschrumpft auf ein Wochenende in München und die Frage, wer was bezahlt und wer was bekommen hat. Im September 2008 hatten die Wulffs im Bayerischen Hof übernachtet und beim Oktoberfest mit David Groenewold und dessen Bekannten gefeiert. Groenewold hatte einen Teil der Hotelrechnung für Wulff übernommen – ohne dessen Wissen, wie der sagt. Sowie die Rechnung für Getränke und Essen beim Oktoberfest. Insgesamt geht es um eine Summe von rund 800 Euro. Die Staatsanwaltschaft erkennt darin einen "hinreichenden Tatverdacht" für Bestechung, weil Wulff sich später für das Filmprojekt "John Rabe" von Groenewold eingesetzt hatte.

Monatelang hatte die Staatsanwaltschaft wegen "Vorteilsnahme" ermittelt, erst kürzlich weitete sie die Vorwürfe auf "Bestechung" und "Bestechlichkeit" aus. Wulff erfuhr davon aus den Medien. Die Staatsanwaltschaft gibt keine Stellungnahme zu dem Vorgang ab. Bestechung bezieht sich im Unterschied zur Vorteilsnahme auf einen konkreten Vorgang: Man gibt etwas, weil man etwas Bestimmtes erwartet. Das Strafmaß fällt in der Regel höher aus.