Martin Blessing weiß, was sich gehört. Mehrfach bedankte sich der Vorstandschef der Commerzbank dieser Tage beim Steuerzahler. In der Finanzkrise hatte der Staat das Institut mit Kapital gestützt. Nun wird es neues Geld einsammeln und dem Bund mal wieder etwas zurückzahlen. Zeit für den Steuerzahler, sich bei der Commerzbank zu bedanken?

18,2 Milliarden Euro – so viel steckte der Staat einst in die Bank. 16,4 Milliarden Euro steuerte er in Form einer sogenannten stillen Einlage bei. Für 1,8 Milliarden Euro erwarb er einen Aktienanteil von 25 Prozent plus einer Aktie. Eine Sperrminorität, die garantierte, dass wichtige Entscheidungen nicht gegen ihn getroffen werden konnten.

Im Jahr 2011 warb die Commerzbank am Kapitalmarkt einen zweistelligen Milliardenbetrag ein. Es war ein Kraftakt, mit dessen Hilfe das Kreditinstitut den Großteil der stillen Einlage zurückführen konnte. Unter der Überschrift Wenn sich Retten rechnet beschrieb die ZEIT damals die Hintergründe dieser außergewöhnlichen Transaktion (ZEIT Nr. 27/11). Außergewöhnlich ist sie auch in der Rückschau noch: sehr groß, sehr clever, sehr leise eingefädelt. Doch ob sich das Retten für den Steuerzahler am Ende tatsächlich rechnet, scheint heute fraglicher als damals, denn seither ist der Aktienkurs immer weiter gefallen. 2012 hat die Commerzbank nur sechs Millionen Euro Gewinn erzielt. Blessing und sein Vorstand ringen auch nach Jahren noch um Erfolge im Privatkundengeschäft, sie müssen Geschäfte abstoßen, Stellen abbauen.

Wenn die Commerzbank nun erneut Kapital einsammelt, kann sie immerhin den Rest der stillen Einlage ablösen. Über die Jahre hat der Bund allerdings wiederholt Teile der stillen Einlage in Aktien umgetauscht, um seine Sperrminorität zu behalten. Für seinen aktuellen Aktienbestand hat er – inklusive der 1,8 Milliarden Euro beim Einstieg – insgesamt 5,1 Milliarden Euro hingelegt. Erworben hat er die Aktien im Durchschnitt für 3,47 Euro. Aktuell notiert die Aktie bei 1,20 Euro. Würde der Staat alle seine Aktien jetzt verkaufen, müsste er einen Verlust von rund 65 Prozent realisieren – in absoluten Zahlen: 3,3 Milliarden Euro.

Im Zuge der Operation, mit der die Commerzbank nun neues Kapital von Investoren einwirbt, wird der Staat erstmals einen Teil seiner Aktien verkaufen und dabei einen Teil des Wertverlusts hinnehmen. Am Ende wird sein Anteil nur noch geschätzt 18 Prozent betragen. Wie viel dieser Anteil dann wert ist und wie hoch die Aktie in Zukunft steigen muss, damit der Bund mit einem Plus aussteigen kann, ist offen.

Die Commerzbank verweist auf weitere 1,4 Milliarden Euro, die sie dem Staat über die Jahre hinweg überwiesen hat. Dieser Betrag enthält aber keine Rückzahlungen, sondern Gebühren, vertraglich vereinbarte Zinszahlungen auf die stille Einlage sowie einen Ausgleich für Refinanzierungskosten – der Staat musste sich das Geld selbst erst besorgen. Und auch wenn die Commerzbank dem Staat insgesamt 18,2 Milliarden Euro überwiesen hätte, wäre das immer noch ein schlechtes Geschäft. Ohne Ausgleich für die Inflation. Ohne Ausgleich für den Profit, den der Staat bei einer anderen Verwendung des Geldes gemacht hätte.

Finanziell rechnen wird sich die Rettung erst in vielen Jahren, wenn überhaupt. Letztlich springt aber auch diese Rechnung zu kurz. Eine Pleite der Commerzbank und das folgende Chaos hätten den Staat weit mehr gekostet als die Milliarden, die er am Ende vielleicht abschreiben muss. So gesehen, bleiben die Kosten für die Rettung immer das kleinere Übel.