Als im Sommer 2011 in Deutschland die Wehrpflicht abgeschafft wurde, schrien die sozialen Organisationen auf: Ohne Wehrpflicht kein Zivildienst! Und was dann? Die Zivis galten als besonders preiswerte Arbeitskräfte im Sozialbereich. Zwar schuf die Bundesregierung den neuen Bundesfreiwilligendienst, aber ist die junge Generation denn tatsächlich bereit, etwas für die Gemeinschaft zu tun?

Sie war es, und sie ist es: Schon im Februar 2012 waren die 35.000 vom Bund geförderten Stellen besetzt – nicht nur von Jugendlichen, jeder fünfte Freiwillige ist über 50. Inzwischen übersteigt die Zahl der Bewerber die der freien Stellen.

Nimmt man die Jugendlichen hinzu, die ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Dienst in Entwicklungsländern absolvieren, sind ständig 85.000 junge Leute als Freiwillige aktiv, etwa zehn Prozent des jeweiligen Jahrgangs. Viele versprechen sich davon eine Orientierung bei der Berufswahl oder ein aufregendes Jahr in ungewohnter Umgebung – was das Engagement nicht schlechter macht.

Ein großer Teil der Bevölkerung leistet freiwillige und ehrenamtliche Dienste. Seit 1999 erfasst die Bundesregierung sie im Freiwilligensurvey. Zwischen 1999 und 2009 ist die Zahl der Freiwilligen sogar leicht gestiegen (siehe Grafik). Die "Reichweite der Zivilgesellschaft" liegt verlässlich bei über zwei Dritteln der Bevölkerung; so viele engagieren sich in Vereinen, Organisationen, Gruppen oder öffentlichen Einrichtungen.

Bei den Motiven für das Engagement unterscheidet die Untersuchung drei Kategorien: persönliches Interesse, Geselligkeit und Gemeinwohl. Die Vorstellung, junge Leute engagierten sich nur, um mit Altersgenossen Spaß zu haben, ist falsch. Im Gegenteil, die Zahl der unter 30-Jährigen, die als Beweggrund für ihr Engagement das Gemeinwohl angaben, ist in zehn Jahren von 18 auf 30 Prozent gestiegen.

Auch die Annahme, dass Menschen sich nur noch punktuell binden und Organisationen meiden, ist so nicht richtig. Die JIM-Studie, deren Daten der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest 1998 und 2012 erhob, zeigte eine Zunahme des Engagements Jugendlicher in Sportvereinen, religiösen Gruppen, Heimatvereinen und sogar in politischen Vereinigungen und Parteien.