Was wüsste man über Justin Bieber ohne die Belieber? Belieber nennt man die fanatischen Fans des Popstars, die sich selbst über kleinste Nachrichtenbrocken und Einzelheiten freuen aus dem Leben des – ja, wie soll man ihn charakterisieren? Singenden Milchbärtchens? Einstigen Revolutionärs des Herrenhaarschnitts? Inzwischen trägt er ja die berühmte Biebermütze nicht mehr, und seine Fans – die Belieber – müssen sich an anderen Details berauschen.

Konjunktur haben derzeit Erzählungen von seinem 19. Geburtstag, den er selbst als "schlimmsten Geburtstag seit Langem" bezeichnet, weil es ihm nicht gelang, in den Londoner Club Cirque du Soir zwei minderjährige Freunde einzuschmuggeln – dem Gerücht nach Jaden Smith (14), den Sohn des Schauspielers Will Smith, und seine neue angebliche Freundin, die angebliche Sängerin Ella-Paige Roberts Clarke (17). Nichts Genaues weiß man nicht. Aber gesetzt, es wäre so gewesen, dann könnte man den Nachtclub verstehen, der gewiss seine Lizenz nicht verlieren wollte, könnte aber auch die Verbitterung der Belieber verstehen, die schließlich meist ebenso minderjährig sind wie die Abgewiesenen.

Es hat offenbar noch einmal, ein historisch letztes Mal, so etwas wie eine Verschwörung der Erwachsenen gegen die Bieber-Belieber-Welt stattgefunden, auch wenn der Star selbst die Volljährigkeit schon ein Jahr zuvor errungen hat. Aber Ungleichzeitigkeiten sind nun einmal ein Kennzeichen historischer Vorgänge.

Klicken Sie auf das Bild, um weitere Artikel der Serie "Gesellschaftskritik" zu lesen. © Frazer Harrison/​Getty Images

Was indes, wenn die Belieber ihrerseits volljährig werden? Dann stürbe mutmaßlich eine ganze Kohorte von Journalisten aus, die sich hauptberuflich auf deren Fütterung eingelassen haben. Sie müssten sich neu spezialisieren, aber krankhafte Nachfrage gibt es schließlich auch nach Klatsch über andere Stars, Veronica Ferres zum Beispiel. Auch das blonde Fettbäckchen aus München hat seine Fans, die gewiss mit Rührung einem Interview mit der Zeitschrift freundin Donna entnommen haben, dass es gerne in den zwanziger Jahren gelebt hätte und mit Billy Wilder verheiratet gewesen wäre.

Die große Naive und der kleine Ironiker – als scheiternde Ehe wäre das der Illustriertenstoff des Jahrhunderts geworden. Ach und Weh über die verpasste Chance! Abermals ein tragischer Fall von Ungleichzeitigkeit. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben – und wer zu früh kommt, darf nicht in die Disco.