Pervez Musharraf präsentiert sich gern als unerschrockener Mann. Als er Pakistan in Generalsuniform von 1999 bis 2008 regierte, ließ er keine Gelegenheit aus, seinen Mut zu betonen. Das ist der Eitelkeit der Militärs geschuldet. Und Musharraf ist gelernter Elitesoldat. Demonstrative Verachtung für Gefahren gehört zum Berufsbild.

Genau diese Haltung zeigte er vergangenen Sonntag, als er nach mehr als drei Jahren Exil auf dem Flughafen in Karatschi landete. Die pakistanischen Taliban hatten verkündet, dass sie ihn mit "Selbstmordattentätern und Heckenschützen" empfangen würden. Musharraf sagte nur spöttisch: "Ich bin froh, dass die Taliban mich willkommen heißen!" Als Herrscher Pakistans nur knapp mehreren Attentaten entgangen, warf er den Taliban gewissermaßen den Fehdehandschuh hin. Und präsentierte sich seinen Landsleuten gleichzeitig als neue politische Hoffnung. Am 11. Mai wird er bei den Parlamentswahlen kandidieren. "Ich will Pakistan retten!", sagte Musharraf. Die Frage ist nicht nur, ob er das kann, sondern auch, ob die Mehrheit seiner Landsleute ihn überhaupt noch will.

Pakistan steht in der Tat ziemlich nahe am Abgrund. Korruption, Gewalt, Terror, Inflation, Arbeitslosigkeit – das sind die alten Geißeln. Und Musharraf hatte reichlich Gelegenheit, sein Land zu retten, nämlich während seiner fast zehn Jahre währenden Herrschaft. Das ist eine sehr lange Zeit. Ausgestattet mit der Macht des Militärherrschers, hatte er alle Instrumente zur Hand, um etwas zu bewegen.

Rückblickend darf er für sich verbuchen, dass unter seiner Herrschaft die Wirtschaft schneller wuchs und die Inflation niedriger war als vorher. Doch damit hat es sich auch schon. Die Korruption, die er jetzt beklagt, hat er nicht bekämpft. Vielmehr ließ er zu, dass sie auf die Armee übergriff, die damals noch einen deutlich besseren Ruf hatte als die Politiker. Als Musharraf unter dem Druck der Justiz im Jahr 2008 abdankte und ins Ausland floh, war das Militär unter der Bevölkerung äußerst unbeliebt.

Dass die Gewalt unter seinem Militärregime zunahm, kann man ihm nicht allein anlasten. Unter dem massiven Druck der USA musste er sich nach den Attentaten vom September 2001 in die Kriegskoalition gegen den Terror einreihen. Musharraf schickte Zehntausende Soldaten in die pakistanisch-afghanischen Grenzgebiete – ein absoluter Tabubruch. Seitdem sind in Pakistan mehrere Zehntausend Menschen Opfer des Krieges und des Terrors geworden. Wie alle Generäle vor ihm und nach ihm spielte aber auch Musharraf wohl ein doppeltes Spiel. Die USA konnten sich nie sicher sein, in ihm einen verlässlichen Partner im Kampf gegen den Terror zu haben. Die Pakistaner erkannten, dass der General sie nicht vor dem Terror schützen konnte. Je länger er regierte, desto mehr erschien er ihnen wie eine Marionette der USA.

Das alles ist in Pakistan nicht vergessen. Darum kann Musharraf nicht mit großer Unterstützung rechnen. Bei den Wahlen wird seine Partei wahrscheinlich mit Mühe und Not ein paar Sitze im Abgeordnetenhaus gewinnen. Als Favorit für die Wahl gilt die Muslim League. Sie wird von einem alten Bekannten Musharrafs geführt: Nawas Scharif. Ausgerechnet ihn hatte der General 1999 aus dem Amt geputscht und ins Exil gedrängt. Selbst die Pakistan People’s Party des als durch und durch korrupt geltenden Präsidenten Asif Ali Zardari hat gute Chancen bei den Wahlen.

Musharraf müsste all dies wissen. Doch offensichtlich ist er geblendet von seiner soldatischen Eitelkeit. Er glaubt wohl wirklich, dass die Pakistaner auf ihn wie auf einen Heilsbringer warten. Am Flughafen in Karatschi empfingen ihn nur ein paar Hundert Menschen. Doch der General bleibt tapfer angesichts der eigenen Schwäche.