Studium:

Ein Meeresbiologe kann ebenso Wirtschaftsprüfer werden wie ein Altertumswissenschaftler. Zumindest theoretisch, denn der Beruf schreibt kein bestimmtes Studium vor, sondern nur einen beliebigen Bachelorabschluss. Weil aber beim Wirtschaftsprüfer-Examen vor allem Wissen aus den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften abgefragt wird, haben Absolventen dieser Studiengänge Vorteile. Das zeigt die Prüfungsstatistik: Vier von fünf Wirtschaftsprüfern in Deutschland haben BWL studiert, weitere zehn Prozent Jura oder VWL. Daneben gibt es einige spezialisierte Studiengänge an Universitäten und Hochschulen, die gezielt auf den Beruf des Wirtschaftsprüfers vorbereiten. Zusammengestellt sind sie im Studienführer Wirtschaftliches Prüfungs- und Treuhandwesen, den die Wirtschaftsprüferkammer jedes Jahr herausgibt.

Voraussetzungen:

Wirtschaftsprüfer kann nur werden, wer das Wirtschaftsprüfer-Examen schafft. Um es ablegen zu dürfen, muss man zuvor drei bis vier Jahre Berufserfahrung als Assistent bei einer Prüfungsgesellschaft vorweisen können. Das Examen besteht aus sieben Klausuren, unter anderem in Wirtschafts- und Steuerrecht, Rechnungswesen oder angewandter Betriebs- und Volkswirtschaftslehre. Es gilt als sehr schwierig: Im ersten Anlauf fällt jeder zweite Prüfling durch, mit der Nachprüfung sind es immer noch 30 Prozent. Das gesamte Examen darf man zwei Mal wiederholen, wenn nur in einem der Teilgebiete die Leistungen nicht ausreichen, ist außerdem eine Ergänzungsprüfung möglich. Die Absolventen sind im Schnitt 33 Jahre alt. Notwendig für den Beruf sind auch IT-Kenntnisse, denn Wirtschaftsprüfer müssen mit komplexen Computerprogrammen umgehen können. Wichtig sind außerdem soziale Kompetenzen und Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere in Englisch; schließlich arbeitet man mit Kollegen und Mandanten oft auch international zusammen.

Aufgaben:

In Deutschland gibt es zurzeit etwa 14000 Wirtschaftsprüfer. Sie kontrollieren die Jahresabschlüsse von Unternehmen und Aktiengesellschaften. Anhand der Bilanzen prüfen sie die finanzielle Lage des Betriebs, auch, ob er sie richtig in seinen Unterlagen dargestellt hat. Außerdem geben Wirtschaftsprüfer Auskunft über die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens.

Arbeitgeber:

Die Auswahl ist groß: In Deutschland gibt es über 2.700 Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Bekannt sind vor allem die vier großen, international tätigen Firmen Ernst&Young, Deloitte, PricewaterhouseCoopers und KPMG. Wer bei den "Big Four" angestellt ist, beschäftigt sich vor allem mit Fragen der internationalen Wirtschaftsprüfung und kann auch in Niederlassungen im Ausland eingesetzt werden. Die vielen kleineren Gesellschaften betreuen vor allem mittelständische Unternehmen. Andere Wirtschaftsprüfer machen sich selbstständig oder arbeiten bei genossenschaftlichen Prüfungsverbänden, Prüfungsstellen bei Sparkassen- und Giroverbänden oder an wissenschaftlichen Instituten.