Wie sie sich kennengelernt haben? Die Frage lässt die Familie kichern. Der Großvater muss so lachen, dass er sich nicht mehr halten kann und aus dem Zimmer humpelt. "Es war eine Liebesheirat." Ihre Dörfer lagen nur zwei Kilometer voneinander entfernt, und manchmal, wenn sich Aho und Gyakyen auf dem Feld trafen oder beim Hüten der Yaks, dann neckten sie sich.

Eines Tages begann Aho für Gyakyen zu singen. Über Täler und Berge hinweg, er wusste, irgendwo hinter dem Hügel musste sie sein und die Yaks der Familie hüten. Er besang ihre Schönheit und ihr warmes Herz. Und am Ende sang er: Wenn du auch etwas für mich empfindest, dann sing doch zurück. Nach einem Moment, der ihm schien wie eine Ewigkeit, hörte er ihre Stimme.

"Drei Jahre lang waren wir zusammen, dann erst wagten wir unsere Eltern zu fragen, ob wir heiraten könnten", sagt Aho. "Wir waren so nervös, denn wir waren ja noch so jung."

Er unterrichtete seine Brüder. Auch die mochten Gykakyen. "Es gibt bei uns keine Eifersucht, weil wir Brüder sind", sagt Aho. "Wären wir das nicht, dann wären wir natürlich sehr eifersüchtig." Persönlich finde er die Vielehe sehr gut, doch für die tibetische Bevölkerung sei sie nicht ideal. Denn gemeinsam haben die vier Eheleute nur einen Sohn.

Aber ist das nicht sehr anstrengend mit drei Ehemännern? "Ach was!", sagt Gyakyen und lacht. "Wenn ich sie nicht alle drei gut fände, hätte ich sie nicht geheiratet. Sollte einem etwas zustoßen, habe ich immer noch zwei. Hätte ich nur einen Mann oder zwei, dann wären sie die ganze Zeit unterwegs, und ich würde sie nur alle paar Monate sehen. Nein, so ist es perfekt, ich liebe sie alle drei."

Kompliziert, sagen sie, sei selbst die Liebe unter vieren nicht. Sie haben vier Zimmer, jeder hat sein eigenes. Und manchmal schlüpft dieser zu Gyakyen ins Zimmer hinein, manchmal jener. "Wir brauchen keine Zeichen", sagt Aho. "Wir sind so lange miteinander verheiratet, wir merken das schon."