In den vergangenen Tagen ging es Schlag auf Schlag mit den Nachrichten rund um die Deutsche Bank. Erst musste sie mehr Geld für Rechtsstreitigkeiten zurücklegen – die enorme Summe von 600 Millionen Euro. Dann hieß es, die deutsche Finanzaufsicht habe in Deutschlands größtem Geldhaus organisatorische Mängel festgestellt. Das soll bei Ermittlungen wegen der Manipulation des internationalen Zinssatzes Libor herausgekommen sein. Und schließlich empfahl eine Kommission externer Experten am vergangenen Freitag, die Bank solle ihr internes Vergütungssystem gründlich umbauen. Noch eine Baustelle.

Das ist die negative Lesart der Meldungen. Es gibt auch eine positive Interpretation, und einiges spricht dafür, dass diese die Wirklichkeit besser beschreibt. Danach kommt die Bank beim Entrümpeln ihrer Altlasten voran. In Sachen Zinsmanipulation werden gegen ihre Vorstandsmitglieder offenbar keine Vorwürfe erhoben. Und die Empfehlungen der Vergütungskommission sind der Anfang eines Prozesses, der viele Monate dauern wird, am Ende aber zu einem modernen Entlohnungssystem führen könnte – langfristiger orientiert, riskante Geschäfte bestrafend, die Reputation schützend.

Für die positive Lesart sprechen weitere Details: Die Gesamtbezüge des Vorstands sind 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent gesunken, und diese Rechnung beinhaltet sogar noch Gehälter für mehrere ausgeschiedene Vorstände. Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die beiden Co-Chefs, erhalten für 2012 je 4,8 Millionen Euro – das ist viel Geld, aber weniger als früher, zumindest im Falle Jains. Dieser hat Medienberichten zufolge freiwillig auf zwei Millionen Euro Bonus verzichtet, die ihm aus der Zeit bis zum Antritt als Co-Chef zugestanden hätten. Man kann all das Peanuts nennen, aber es sind Peanuts mit Symbolkraft.

Keine Frage: Angesichts ihrer vielen Probleme hat die Bank noch einen langen Weg vor sich, bis ihr Name wieder ohne Makel ist. Mit hohen Strafen und Schlagzeilen ist weiter zu rechnen. Das neue Vergütungssystem und der versprochene Kulturwandel müssen zudem noch konkretisiert werden. Aber Jain und Fitschen machen sich auf. Ob sie aus moralischer Überzeugung handeln oder nur weil sie fürchten müssen, dass sich Kunden abwenden, ist beinahe irrelevant. Entscheidend ist, dass sie den ersten Schritten weitere folgen lassen und den Weg bis zum Ende gehen.