Kommt die Frauenquote doch noch? Nach der Osterpause will eine Gruppe von Abgeordneten aus Regierung und Opposition im Bundestag gemeinsam für eine gesetzliche Frauenquote stimmen. Der Ausgang der Abstimmung gilt als offen – gerade einmal vier Stimmen fehlen den Quotenbefürwortern momentan für eine Mehrheit.

Zu den Unterstützerinnen aus den Regierungsfraktionen zählen unter anderem Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und die Fachpolitikerinnen Rita Pawelski (CDU) und Sibylle Laurischk (FDP). Die CSU-Politikerin Dorothee Bär, Quotenbefürworterin und familienpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, wird am entscheidenden Tag in ihrem Wahlkreis sein.

Stimmen 21 Parlamentarier aus CDU, CSU und FDP am 18. April mit der Opposition, wäre damit ein Gesetzentwurf des Landes Hamburg verabschiedet, wonach der Frauenanteil in Aufsichtsräten bis 2018 auf zwanzig und bis 2023 auf vierzig Prozent steigen soll. 25 Frauen aus den Regierungsfraktionen haben die "Berliner Erklärung" unterzeichnet, die weiter geht als das Hamburger Gesetz.

2013 gilt als Superwahljahr für Deutschlands Aufsichtsräte – allein bei den Dax-30-Unternehmen laufen 71 Mandate aus. Käme das Gesetz im April durch, könnte es sich schon auf diese Neubesetzungen auswirken. Nach Angaben des Vereins Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) erfüllen momentan 17 der großen börsennotierten Unternehmen die 20-Prozent-Quote nicht – etwa Bayer, RWE, die Commerzbank, Adidas und die Deutsche Post. FidAR hat ausgerechnet, dass weitere 22 Frauen in die Aufsichtsräte einrücken müssten, wenn das Gesetz käme und die Konzerne die Auflagen sofort erfüllen müssten.

Normalerweise formieren sich im Wahljahr die politischen Lager, und es ist noch weniger wahrscheinlich als sonst, dass Abgeordnete sich über einen von oben angeordneten Fraktionszwang hinwegsetzen. Trotzdem halten die Organisatorinnen in der Bundestagsfraktion der Grünen diesmal eine Mehrheit für möglich. Sie betonen, dass im Bundesrat mit Sachsen-Anhalt und dem Saarland schon zwei CDU-geführte Landesregierungen dem Hamburger Gesetz zugestimmt hätten. Das mache es auch für die Berliner CDU-Parlamentarier einfacher. In beiden Ländern regieren Große Koalitionen.

Hinzu kommt, dass die Landeslisten der Parteien bereits stehen. Von diesen Listen hängt häufig ab, welche Parlamentarier wieder in den Bundestag einziehen. Die Fraktionschefs haben also weniger Möglichkeiten, ihre Kollegen unter Druck zu setzen.

Vor allem aber gilt der Hamburger Antrag als sehr moderat. Schon heute liegt der Frauenanteil in den großen Dax-30-Unternehmen bei 20,5 Prozent – insgesamt erfüllen sie die Quote also schon, nur eben nicht jedes einzelne Unternehmen. Bei sämtlichen 160 Aufsichtsräten Deutschlands beträgt der Frauenanteil 16,5 Prozent. Viele Parlamentarier von SPD und Linken mussten deshalb dazu überredet werden, dem Antrag zuzustimmen, selbst viele Sozialdemokratinnen wollten lieber ein eigenes, härter formuliertes Gesetz.

"Die Wirtschaft müsste uns eigentlich dankbar sein. Wenn wir dieses Gesetz verabschieden, dann ist das Thema doch erst mal abgeräumt", sagt eine Unionsabgeordnete. "Wenn sich nach der Wahl eine andere Koalition der Sache annimmt, kommt garantiert ein härteres Gesetz."

Es kann also sein, dass am 18. April nicht allein der Mut der Quotenfans in Union und FDP den Ausschlag gibt, sondern die Zahl der Quotengegner, die lieber für das kleinere Übel stimmen. Hinzu kämen womöglich Unzufriedene, die auf den letzten Metern ihrem Unmut über ihre Parteiführung Luft machen wollen – oder Chaoten, die schlichtweg den Termin verschwitzen.