Es gibt Visionen aus dem Reich der Technik, die beschäftigen die Fantasten über Generationen, landen aber trotzdem immer wieder auf dem Recyclinghof der Ideengeschichte. Dort werden sie wieder- und wiederaufbereitet – die Zukunft steht ja immer bevor –, finden aber nie in die Realität. Ein paar Klassiker des Scheiterns:

Das papierlose Büro. Es ist unklar, seit wann diese Idee auf dem Globus herumspukt, wahrscheinlich seit den 1970er Jahren. Sie soll aus dem Palo Alto Research Center stammen, einer Tochterfirma des US-amerikanischen Druckerherstellers Xerox. Der aber ist auch nach vier Jahrzehnten papierloser Büroträume bestens im Geschäft. In den Siebzigern stand das Ende der Schreibmaschine bevor – von dem hat man offenbar zu rasch auf das Ende des Papiers geschlossen. Stattdessen kamen Drucker und Kopierer, und noch heute schließen viele elektronische Nachrichten mit dem Hinweis: "Denken Sie an die Umwelt, bevor Sie diese E-Mail ausdrucken!" Ein wertvoller, aber offenbar selten beherzigter Ratschlag. Der Marktforschungsfirma IDC zufolge wurden 2011 weltweit rund drei Billionen Seiten Papier ausgedruckt.

Ein ähnliches Schicksal ereilte die Idee vom Ende aller Geschäftsreisen. Dank digitaler Videokonferenzen müssten Dienstreisen eigentlich längst Geschichte sein. Spätestens mit der Erfindung des Videotelefondienstes Skype im Jahr 2003 wurde selbst Privatleuten das Potenzial dieser Technik klar. Eine kleine Umfrage unter deutschen Führungskräften kam vor etwas mehr als zwei Jahren allerdings zu dem Ergebnis, dass 91 Prozent dieser Kohorte doch lieber reisen – persönliche Kontakte erscheinen ihnen zu wichtig. Darauf weisen auch die Zahlen des Luftfahrtverbandes ATAG hin: Zwischen 1990 und 2010 hat sich die Zahl der Passagiere mehr als verdoppelt und ebenso die Zahl der jeweils in der Luft zurückgelegten Kilometer.

Unabsehbar, aber heiß erwartet: der internetfähige Kühlschrank. Seit einer gefühlten Ewigkeit steht dessen Durchbruch unmittelbar bevor. Er wird zur Neige gehende Vorräte von sich aus beim nächsten Supermarkt nachbestellen. Das Problem dabei ist – wie bei den meisten Utopien -– die Realität: Wer will immer nur dasselbe Zeug im Kühlschrank vorfinden? Und weiter: Ist es sinnvoll, wenn vom Kühlschrank eigenmächtig bestellte Joghurts, Milchtüten und Weichkäse an der Haustür in der prallen Sonne gammeln, weil der Lieferant leider keinen menschlichen Hausbewohner angetroffen hat? Denn noch macht der Kühlschrank die Haustür nicht auf.