Heinisch ist ein Zahlenmensch. Er studierte Betriebswirtschaftslehre, den Schwerpunkt legte er auf Wirtschaftsprüfung. Neun Jahre lang checkte er Zahlen, "irgendwann hat mich das nicht mehr befriedigt", sagt er. In den Neunzigern wurde er Chef der deutschen Unternehmensgruppe Schöck in Baden-Baden, Hersteller von Bauteilen wie Balkonstützen. Danach begann seine Karriere als Interimsmanager, als Feuerwehrmann. Das Vertrauen, das man da bekomme, sei gewaltig, sagt Heinisch. "Es ist vergleichbar mit einem Blankoscheck."

Während der ersten Wochen bei Weleda schlief er in einem Wohnwagen. Es ist sein eigener, seit Jahrzehnten ist er damit im Urlaub unterwegs. Der soziale Zusammenhalt, sagt Heinisch, sei nirgends größer als auf Campingplätzen. Und dort frage ihn niemand, was er beruflich mache.

Der neue Chef will nicht auffallen

Heinisch will nicht auffallen, auch nicht als Chef. Er ist groß und schlank, ein bisschen läuft er gebückt. Zum Termin mit der ZEIT bringt er den Marktleiter mit, Andreas Sommer, Waldorfschüler und seit 1997 bei Weleda. Es gibt Stimmen, die Sommer als Heinischs "Einflüsterer" bezeichnen. Auch an diesem Tag soll erst einmal Sommer reden. Während des gesamten Gesprächs bleibt er an Heinisch Seite.

Ähnlich wie auf dem Campingplatz ist Heinisch auch bei Weleda gern nah bei den Menschen. Er sucht das Gespräch mit den Mitarbeitern, läuft oft durch die Produktionsstätte, so wie an diesem Tag. Er lässt sich die neuen Plastikbehälter zeigen. Sie sollen die für Weleda typischen Glasflaschen ablösen, zum Teil jedenfalls.

Massenprodukte wie Duschgels oder Deodorants werden vollautomatisch produziert, die Personalkosten in der Schweiz sind hoch, Maschinen sind da günstiger. Jene, die gerade das Duschgel in die Tuben füllt, kam im vergangenen Jahr neu hinzu. Eine Halle weiter lagern die ätherischen Öle in einem gekühlten Raum, weil sie dort nicht so schnell verdunsten. Die Rohstoffe für die Kosmetikprodukte sind teuer, allein ein Milliliter ätherisches Wildrosenöl kostet sechs Euro. Teuer sind auch die Qualitätskontrollen der Kosmetikprodukte: Bis zu acht Wochen kann so eine Kontrolle im Labor dauern, in der chemischen Kosmetik ist es lediglich ein Tag. Die Kontrollen sichern das Vertrauen in die Marke, an ihnen wird Heinisch nicht sparen können.

Jede Woche fährt Heinisch zwischen den Weleda-Standorten in der Schweiz und Baden-Württemberg und seiner Heimat Marburg hin und her. Unterwegs hört er keine Musik, sondern Vorträge, der letzte hieß: "Der Zufall trifft nur auf einen vorbereiteten Geist." Es ging um Intuition und darum, dass Bauchentscheidungen oft die besseren sind. Heinisch sagt: "Mein Leben ist durch Zufälle und solche Bauchentscheidungen geprägt." Auch bei Weleda sei das bislang so gewesen. Jetzt sei das Unternehmen in Schwingung. Wenn Ralph Heinisch solche Dinge sagt, hört er sich fast wie ein Anthroposoph an.