Marty Kaan sieht blendend aus, trägt modern geschnittene Anzüge und fliegt regelmäßig von Los Angeles nach New York, sein siebenstelliges Jahresgehalt verdient er sich mit flotten Sprüchen und der Fähigkeit, seine eigene Unwissenheit gekonnt zu kaschieren. Außerdem hat er eine Menge Sex mit hübschen Frauen. Keine Frage, der Mann muss Unternehmensberater sein. Außerdem ist Kaan die Hauptfigur der amerikanischen TV-Serie House of Lies, die unter Eingeweihten als eine der besten Serienstarts der letzten Jahre gilt und zurzeit mittwochs am späten Abend bei ZDFneo läuft.

Doch kann der Consultant wirklich ein Serienstar sein? Immerhin hatte man sich doch schon lange an den Berater als Buhmann gewöhnt.

Anfang der neunziger Jahre tauchten die Unternehmensberatungen in der Wahrnehmung des deutschen Arbeitnehmers auf. Namen wie McKinsey, Boston Consulting oder Booz Allen Hamilton verbreiteten Angst und Schrecken. Der Mehrheitsmeinung nach handelte es sich bei den Angestellten dieser Firmen um eisenharte Technokraten, die sich die Begriffe Gewinnmaximierung, Outsourcing, Downsizing und Reengineering auf die Standarte geschrieben hatten und, angeleitet von diesen Schlagwörtern, sämtliche Aspekte des Lebens auf die Frage "Rentiert sich das?" reduzierten. Die "Mackies", wie sich die McKinsey-Mitarbeiter weltweit selbst nennen, wurden zur Metapher einer globalisierten Herrschaftsschicht.

Neben den ganz realen Auswirkungen, die die neue Kultur der Effizienz in der Wirtschaftswelt hatte, wurden die Unternehmensberatungen und ihre Angestellten auch von der Popkultur aufgegriffen und kamen in der medialen Reflexion nicht unbedingt gut weg. Im Laufe der Jahre wurde der Ton immer schärfer. Populistische Sachbücher mit Titeln wie Beraten und verkauft, Unser effizientes Leben oder Die große Abzocke schürten die Ressentiments. Auch die Serie House of Lies basiert auf einem ähnlichen Buch: House of Lies: How Management Consultants Steal Your Watch and Then Tell You the Time ist eine Abrechnung mit seiner Branche, die der Autor Martin Kihn im Jahr 2005 verfasst hat. Kihn arbeitete drei Jahre lang als Unternehmensberater für Booz Allen Hamilton, einem der Branchenriesen, und beschreibt, wie er und seine Kollegen die Firmen, zu deren Rettung sie eigentlich gerufen wurden, gegen die Wand fahren.

Noch Mitte der nuller Jahre war das Berater-Bashing ziemlich en vogue – und breitete sich auch in anderen Medien aus. In Rolf Hochhuths Drama McKinsey kommt von 2004 etwa wird der Berater zum namenlosen Schrecken. In allen fünf Akten des Theaterstücks taucht zwar kein einziges Mal ein Angehöriger der Consultant-Kaste leibhaftig auf der Bühne auf. Doch allein die Aussicht auf ihre baldige Ankunft lässt die Figuren zwischen katatonischen Angstzuständen und bildungsbürgerlichen Gewaltfantasien schwanken.

Für Firmen, deren Kerngeschäft doch eigentlich in Kommunikation und im Krisenmanagement liegt, schafften es die Beratungsgesellschaften nur leidlich, sich eine Strategie für ein besseres Image zurechtzulegen. Es gibt kaum ein Berufsbild – vom afghanischen Warlord und dem GEZ-Mann einmal abgesehen –, das zugleich derart mythenumrankt und gefürchtet ist wie das des Beraters. Den Aktionären eine fette Rendite beschert und dafür ein paar Hundert Angestellte gefeuert, nichtssagende PowerPoint-Phrasen abgefeuert und dafür einen dicken Bonus eingestrichen: Lange Zeit bewegte sich das Bild der Unternehmensberater, je nachdem, auf welcher Seite man sich befand, zwischen den beiden Extremen Wunderheiler und Voodoohexer. Doch langsam, ganz langsam stellt sich ein Wandel der öffentlichen Wahrnehmung ein.