Oslo, 31. August ist angelehnt an den 1931 erschienenen Roman Le feu follet (Das Irrlicht) von Pierre Drieu La Rochelle. Anfang der sechziger Jahre wurde das Buch schon einmal verfilmt, von Louis Malle. In dessen Film spielt Maurice Ronet den Dandy und Alkoholiker Alain Lerois. Hier ist die Entziehungsklinik eine großbürgerliche Villa, wo am Frühstückstisch über den heiligen Thomas, Genet, Cocteau und Sartre disputiert wird. Hier wandelt der Held mit nach innen gerichtetem Blick über die prachtvollen Boulevards von Paris. Auch Louis Malle zeigt seine Hauptfigur immer wieder als Phantom: in Fenster- und Schaufensterscheiben, in den Spiegeln teurer Etablissements. Wie ein Fremdkörper sieht man Alain zwischen wunderschönen Frauen, umgeben von reichen Freunden und Bekannten, die ihre Langeweile in Konversation überführen.

"Ich habe gewartet, mein Leben lang. Gewartet. Dass etwas geschehen würde. Gewartet. Aber worauf ich wartete, wusste ich nie", sagt Maurice. Und dann: "Das Rauschgift, das ist schon wieder das Leben. Es kotzt einen an wie das Leben."

Oslo, 31. August und Das Irrlicht – fast ein halbes Jahrhundert liegt zwischen diesen beiden Filmen. Im gesellschaftskritischen Geist der sechziger Jahre knüpft Louis Malle die Isolation seines Helden an die Ablehnung einer spätbürgerlichen Dekadenz. Joachim Trier zeigt, dass es auch jenseits der Zeiten und Gesellschaften eine Berechtigung gibt zur Melancholie, zum unaufhaltsamen, mysteriösen, traurigen Weg in die Dunkelheit.