Lieber Hartmut Mehdorn, bitte verzeihen Sie, dass wir Ihnen nicht längst zu Ihrer Beförderung zum Chef des Flughafens Berlin-Brandenburg gratuliert haben. Sie kennen diese Kolumne gut, wir sind immer offenherzig, aber unhöflich sind wir nie. Leider waren die vergangenen Wochen randvoll mit wichtigen Themen, die Deutschland voranbringen, zum Beispiel das Techtelmechtel zwischen unserem lieben Florian Silbereisen (31) und der schönen Helene Fischer (28) – da musste Ihre Personalie leider warten. Für die entstandene Verspätung bitten wir Sie um Verständnis. Im Gegensatz zur breiten Öffentlichkeit sind wir mit Ihrer Berufung sehr einverstanden, denn das Berliner Chaos ist so gewaltig, dass Sie dort nicht mehr viel falsch machen können. Überhaupt ist es gut, wenn Menschen eine zweite Chance bekommen oder wie Sie sogar eine dritte. Wir hassen den Brutalo-Kapitalismus, der Manager fallen lässt wie eine heiße Kartoffel, nur weil sie ihr Unternehmen an die Börse bringen wollen, obwohl doch jeder Tellerwäscher im Speisewagen weiß, dass es dort nichts verloren hat. Lieber Herr Mehdorn, damit es diesmal mit Ihnen klappt, möchten wir Ihnen einen liebevollen Rat mit auf den Weg geben: Hüten Sie sich vor Journalisten! Journalisten wollen Dinge wissen, die sie nichts angehen, zum Beispiel dies: "Warum ist die Landebahn viel zu kurz?" Kollegen, die Ihnen solche Fragen stellen, verweisen Sie auf eine Verzögerung im Betriebsablauf während der Anlieferung der Betonelemente durch die Deutsche Bahn. "Warum fehlen die Check-in-Schalter?" Bei dieser boshaften Frage hilft der Hinweis auf eine zugefrorene Ampel im Zulieferverkehr oder, im Sommer, auf einen Böschungsbrand in der Warteschleife. Bild will naturgemäß wissen: "Warum fehlen Männer-Klos, während Unisex-Toiletten in Überzahl herumstehen?" Beruhigen Sie die entsetzte Kollegin mit dem Hinweis auf die verspätete Bereitstellung der Urinoirs beziehungsweise das Warten auf Anschlussfahrgäste im Montage-Bus. Wenn eine Hamburger Wochenzeitung wissen will, "warum die Passagiere ihre Koffer persönlich zum Flugzeug tragen und sich ihre Plätze selbst suchen müssen", dann erklären Sie, dass die Reservierungen wegen einer betriebsbedingten Störung am Fluggerät diesmal leider nicht angezeigt werden können und Sie dafür um Verständnis bitten. Die "betriebsbedingte Störung" ist übrigens Ihr Joker. Hier geht die Störung nämlich organisch aus dem Betrieb selbst hervor, wofür Sie als Betreiber nicht verantwortlich sind, sondern der Fahrgast, der ja den Betrieb gewollt und die Störung billigend in Kauf genommen hat. Selbst schuld!