Jetzt aber verstummt das deutsch-griechische Palaver. Die betörende Sängerin schweigt, die Geladenen in der Athener Edeltaverne blicken auf einen massigen Mann. Der erhebt sich, ergreift Menü und Mikrofon und verkündet, wonnig schwäbelnd, sein Griechisch sei unperfekt: Zunächst dachte ich, das ist die Liste der Redner, aber es ist die Speisekarte. – Binationale Heiterkeit. Andernorts sprach er, ein gutes Grußwort solle sein wie ein Minirock – das Entscheidende verhüllend, doch kurz genug, um interessant zu sein.

In Deutschland würde er sagen: Je kürzer, desto besser.

Wir enthüllen das Entscheidende sogleich: Dieser schwäbische Hüne heißt Hans-Joachim Fuchtel. Er kommt aus Altensteig/Schwarzwald und sitzt seit einem Vierteljahrhundert für die CDU im Bundestag. Seit 2009 ist er Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Arbeit und Soziales. 2011 ernannte ihn Angela Merkel zum hellenischen Feuerwehrmann und entsandte ihn in ein brennendes Land.

Auch Fuchtel entbrannte, für Griechenland. Anfangs zeigten dortige Medien den Emissär der in ihren Augen hitlergleichen Kanzlerin in Naziuniform. Dank rühmlicher Tatkraft erwarb er sich den Ehrennamen Fuchtelos. Man denke an den Koloss von Rhodos, eines der sieben Weltwunder der Antike. Spreizbeinig, dreißig Meter hoch, überbrückte er die Hafeneinfahrt. So stelle man sich den Koloss Fuchtel vor, aber mit Schnurrbart und Koffer. Der Koffer steht in Berlin, ein Fuß in Griechenland, der andere im Schwarzwald. Dort sitzt meine Kundschaft, spricht der Koloss. Wer ihn begreifen will, muss ihn daheim erleben.

Das tun wir im endlosen Winter 2013. Der Tag beginnt sehr früh im Dorf Rotfelden. Fuchtel besucht den schicksalsgeschlagenen Bauern Wilhelm Breitling. Vor der Scheune im Schnee stehen drei Kamele. Noch kürzlich hatte Breitling neunzig. Völkerscharen von Besuchern machten seinen Kamelhof zum Touristenmekka der Region. Vorbei. Am 31. Januar verbrannten Stallungen und Tiere. Breitling hockt in seiner Bauernstube und spricht über die Kamele wie über lebende Angehörige. Hochsensibel seien sie, kränkbar, rachsüchtig. Kein Tier töte weltweit mehr Menschen als das beleidigte Kamel. Dabei wolle es nicht töten, doch der Körper des Menschen sei für die Rache zu schwach... Fuchtel hört einfühlsam zu. Nun plant Breitling ein Abschiedsfest für die Brandopfer, mit Ansprachen der Pfarrer beider Konfessionen. Und eine Gedenktafel, mit den Namen der 87 toten Tiere.

Alsdann besuchen wir die Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw. Fuchtel schenkt dem General Feldmann sein Ohr für Standortprobleme, dazu einen Griechenwein. Bislang führt Feldmann das Kommando Spezialkräfte in Afghanistan und jagte dort sogenannte Terroristen. Dies übernimmt künftig der Attaché des Bundespräsidenten, Oberst Baehr. Selbiger empfängt von Fuchtel eine Flasche Schwarzwälder Kirschwasser mit dem Reisesegen: Wenn’s mal hart wird!

Weiter. Fuchtel fragt: Was wissen Sie von Calw?

Dass Hermann Hesse dort geboren wurde.

So. Da fahren wir jetzt hin. Das Geburtshaus gehört einem Parteifreund.

Am malerischen Calwer Markt residiert Hermann Schabers Modehaus. Beglückt empfängt der Eigner den hohen Überraschungsgast und führt ins private Obergeschoss. Bunt erstrahlt Hesses Geburtskemenate. Glasperlenspiele glimmen in den Fenstern, illuminiert von Wintersonne. Von der Wand spricht Hesses Ewigkeitsgedicht: Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe / Bereit zum Abschied sein und Neubeginne (...) / Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne... Schaber erzählt von Reisen auf Hesses Spuren und bezeugt christdemokratische Treue. Hans-Joachim, sagt er, ich hatte eine Einladung nach Stuttgart. Zum Kretschmann. Dem hab ich die Audienz verweigert. Ich bin und bleib ein Schwarzer.

Auf Kreta gehorcht der Brandschutz deutschen Ansprüchen leider nicht

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde – beispielsweise in der Reha-Klinik Schömberg, wo Fuchtel über die Gesundheitsregion Nordschwarzwald referiert. Sinnlicher wird der Besuch bei der Schömberger Feuerwehr. Die verzichtete auf 5.000 Euro Restprofit für ihr altes Auto und möbelte es picobello wieder auf. Technisch top, rollt die feuerrote Kiste demnächst als Geschenk nach Kreta, wo der Brandschutz deutschem Anspruch leider nicht genügt. Ohne Katastrophenschutz, spricht Fuchtel, bleibt auch der Investor fern. Sodann schwingt er sich fotogen ins Fahrerhaus. Feuerwehrchef Zillinger erklärt, man denke bei dem Geschenk auch an die historische Beziehung Deutschland–Kreta.

Der Krieg? Die Untaten der Wehrmacht?