Doch nicht alle lieben die Wasserwirbelkraft. Skepsis verbreiten ausgerechnet Umweltverbände. "Die Technologie ist sympathisch", sagt Thomas Ammann vom WWF. Häufig stehe sie aber einer Renaturierung der Gewässer im Weg. "Und betrachtet man nur die Standorte, die aus ökologischer Sicht unproblematisch sind, bleibt das Potenzial sehr klein." Die Aargauer Sektion von Pro Natura giftete gar, die Anlage in Schöftland sei "mehr Rührwerk als Kraftwerk". Unterm Strich sei das kein grüner Naturstrom.

Tatsächlich ist deren Leistung bescheiden, gerade mal 5 bis 15 Kilowatt. Das ergibt rund 100.000 Kilowattstunden im Jahr, was für etwa 25 Haushalte reicht. Andere Kleinkraftwerke mit herkömmlichen Turbinen können einige Tausend Familien versorgen. Sogar Heidi Zumstein und Andreas Steinmann waren anfangs enttäuscht vom Wirkungsgrad ihrer Anlage. Er betrug nur 30 statt der versprochenen 60 Prozent. Zwei Drittel der Energie, die im Wasser steckt, gingen wortwörtlich den Bach runter. Heute, einige technische Nachbesserungen später, liegt der Wirkungsgrad bei 42 Prozent. Ein neuer Rotor soll bald die Hälfte der Wasserenergie in Strom umwandeln helfen.

Auch Energieexperten dämpften den zeitweiligen Wasserwirbel-Hype. In einem Bericht des Bundesamts für Energie schnitten die von ihm preisgekrönten Wasserwirbelkraftwerke plötzlich schlecht ab: Sie seien ineffizient, teuer und auch nicht so umweltverträglich wie behauptet. Dass die Fische das Kraftwerk tatsächlich ungehindert durchschwimmen können, ließ sich bis heute nicht eindeutig beweisen. Ein Versuch, die Fische mit einer Infrarotkamera beim Aufstieg zu filmen, scheiterte an der Technik, Interferenzen des Kraftwerks störten die Aufnahmen. Als man aufgestiegene Fische mit Reusen fangen und zählen wollte, verstopften diese mit Treibgut und Algen.

In Schöftland, auf der Holzbank hinter dem Haus, kennt man all diese Vorbehalte. "Wir hatten noch nie einen toten Fisch hier", sagt Heidi Zumstein. Und Andreas Steinmann ergänzt trotzig: "Wir wissen, dass es eine gute Sache ist."

Der mit mehreren Preisen geehrte Erfinder Franz Zotlöter verfolgt den Streit gelassen. Die Schweizer Pilotanlage sei durch Fehlplanungen wie einen zu langen Zu- und Abflusskanal überteuert. "Sie entspricht auch nicht den Wasserrahmenrichtlinien der EU", sagt er. Deren Einhaltung könne er garantieren. Bei korrekter Planung ströme das Wasser in der Anlage langsamer als in zugelassenen Fischtreppen. "Wasserwirbelkraftwerke sollen besonders naturverträglich sein und nicht besonders effizient, das ist doch ihr Witz."

Zumindest in der Ferne scheint man ihn zu verstehen: Im Februar gingen in Thailand und Chile erste Anlagen in Betrieb, in Japan starten bald zwei von 40 geplanten sanft wirbelnden Kraftwerken.