Die Botschaft löste einen regelrechten Shitstorm aus. Professoren, Umweltaktivisten, Parlamentarier und Regierungsberater meldeten sich zu Wort – darunter auch Stephan Kohler, Chef der halbstaatlichen Deutschen Energieagentur. "Richtig sauer" geworden sei er, sagt er. Es grassiere momentan ohnehin "eine Wärmedämmgegnerschaft". Dabei belegten Hunderte Praxisbeispiele, dass sich die energetische Sanierung von Gebäuden rechne, so Kohler. Was sich die KfW und Prognos da geleistet hätten, sei "obermegaschädlich".

So übel hat es die staatliche Förderbank und das renommierte Forschungsinstitut aus der Schweiz selten erwischt. Um den Schaden zu begrenzen, richtete die KfW inzwischen auf ihrer Webseite eine eigene Rubrik ein – mit Fragen und Antworten zur Prognos-Studie und einem Interview mit zwei KfW-Oberen. Bei der Wirtschaftlichkeitsanalyse zählten nur die "energieeffizienzbedingten Mehrausgaben", heißt es inzwischen – und die lägen mit 237 Milliarden Euro unter den eingesparten Energiekosten. Also doch: Dämmen lohnt sich.

Tatsächlich gilt bei Gebäudesanierungen das sogenannte Kopplungsprinzip. Danach sind Maßnahmen zur Energieeinsparung dann rentabel, wenn beispielsweise der Putz eines Gebäudes ohnehin erneuert werden muss oder wenn am Dach eines Hauses größere Reparaturen fällig sind. Die Gesamtkosten der Baumaßnahme teilen sich dann auf in die Kosten beispielsweise für neue Dachziegel und für das Gerüst – und in die Kosten für das Dämmmaterial. Wird der Wärmeschutz in eine allgemeine Modernisierung eingebunden, reduzierten sich die energierelevanten Kosten deshalb auf rund ein Drittel der Gesamtkosten einer Sanierung, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) herausgefunden; sie lägen dann in der Größenordnung der Energiekostenersparnis und amortisierten sich in rund 20 Jahren.

Mit dieser Erkenntnis ist die Angelegenheit aber nicht ausgestanden. Um die amtlichen Klimaschutzziele zu erreichen, müssten sich die Gebäudeeigentümer nämlich von den üblichen Instandsetzungszyklen lösen. Auch kleinere Anlässe wie einen Fassadenanstrich müssten sie also wahrnehmen, um die Außenwände zu dämmen – und zwar nicht nur mit einer zehn, sondern mit einer zwanzig Zentimeter dicken Dämmschicht.

Um die Bereitschaft dafür zu fördern, sind laut Prognos Mittel von jährlich drei bis fünf Milliarden Euro nötig. Der Betrag liegt deutlich über der Summe, die der KfW bisher für die Gebäudesanierung zur Verfügung steht. In diesem und im kommenden Jahr sind es gerade einmal 1,5 Milliarden Euro, es waren aber auch schon einmal nur 850 Millionen Euro. Um den Finanzfluss zu verstetigen und vom jährlichen Gerangel um das Bundesbudget zu lösen, empfiehlt Prognos – allerdings nur beiläufig und fast schüchtern –, über ein "Abgabe- bzw. Umlagesystem" nachzudenken.

Dabei ist der Gedanke nicht neu. Vor zwei Jahren kündigte die Bundesregierung selbst an, eine "haushaltsunabhängige Lösung" für die Förderung der energetischen Gebäudesanierung zu prüfen.

Aber was heißt das: haushaltsunabhängig? Es heißt, dass der Bürger selbst zahlen soll, wie bei der Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen. Wie sich das organisieren ließe, hat jetzt das Institut Wohnen und Umwelt (IWU) eruiert, in einer brisanten Studie im Auftrag von Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU). Anders als die Prognos-Studie blieb sie trotz ihrer Sprengkraft bisher fast unbeachtet.

Die Darmstädter Forscher haben herausgefunden, dass mit einer "Energieabgabe" in Höhe von 1,2 Cent auf jede Kilowattstunde Gas und Öl das nötige Geld zu beschaffen wäre. Erdgas und Heizöl würden dadurch allerdings auf einen Schlag um etwa 16 Prozent teurer. Die IWU-Forscher betonen zwar, was sie dem Bauministerium da aufgeschrieben hätten, sei "nur eine Modellbetrachtung". Aber sie sagen auch, dass sich die Klimaschutzziele ohne solch ökonomische Instrumente kaum erreichen ließen – jedenfalls nicht "nach menschlichem Ermessen".

Klar ist, dass sich vor der Bundestagswahl im September kein Politiker für die neue Abgabe starkmacht. Auch Ramsauers Ministerium teilt lediglich mit, zur IWU-Studie "nichts aktiv sagen" zu wollen. Die Stunde der Wahrheit schlägt nach der Wahl: Entweder muss die neue Regierung dann mehr Geld für die Gebäudesanierung beschaffen – oder sie muss die Energiewende begraben.