Als neulich Jack Reacher mit Tom Cruise ins Kino kam, war in Kritiken zu lesen, der Meister der mimischen Muskelverspannung spiele so gelöst wie schon lange nicht mehr. Mag sein. Aber wie locker Cruise tatsächlich sein kann, sieht man erst in dem Science-Fiction-Film Oblivion. Dafür könnte es zwei Gründe geben. Erstens hat die Endzeitfiktion starke Berührungspunkte mit dem pseudomythologischen Geschwurbel der Scientologen, bei denen Cruise bekanntlich zu Hause ist. Zweitens spielt der Film im Weltraum. An einem Schauplatz also, den das Prinzip der unendlichen Ausdehnung definiert. Es muss so sein, dass das Riesige am Weltraum dem Wunschego von Cruise irgendwie entspricht.

Tom Cruise beteuert ja seit Jahren, es mache ihm überhaupt nichts aus, immerzu mit Frauen verheiratet zu sein, die einen Kopf größer seien als er. Aber seit Jahren ist auch klar, dass der 170 Zentimeter messende Star (Internetgerüchte: 168 Zentimeter) mit seiner Körpergröße ein Problemchen hat. Nur deshalb hüpfte er als Talkshowgast in einer legendären Lachnummer auf der Studiocouch herum. Er war nicht ausgeflippt. Er folgte lediglich seiner Gewohnheit, sich größer zu machen. Und nur deshalb wird Cruise in der ersten Sequenz von Oblivion, die noch auf der Erde in Manhattan spielt, konsequent von unten gefilmt. Da wirkt jeder ziemlich groß. Außerdem lässt sich aus dieser Perspektive recht simpel die Rollenfigur eines Übermenschen herstellen. Er heißt Jack, er rettet vom Weltraum aus, was von der Erde übrig geblieben ist.

Joseph Kosinski hat Oblivion nach der Vorlage seines eigenen Comics gedreht. Der Film spielt im Jahr 2077, die Grundidee ist nicht unspannend: Vermeintliche Aliens haben den Mond zerstört. Einige Erdenbewohner konnten sich auf einen Planeten im Saturnsystem flüchten. Jack arbeitet als Techniker auf einer Plattform im Orbit und unternimmt Exkursionen zur verwüsteten Erde, um dort Drohnen zu bergen und zu reparieren.

Als Endzeitdrama ist das nicht witzig gemeint. Trotzdem muss man ziemlich oft lachen. Und fragt sich, warum ausgerechnet die Etuikleider aus der Kollektion von Victoria Beckham eine Apokalypse überstehen. Warum im Jahr 2077 im Weltraum High Heels getragen werden, die aussehen wie in Sex and the City. Und warum nach der Zerstörung des Mondes und der Erde Lichtverhältnisse herrschen wie im schönsten Juli am Lago Maggiore. Das alles ist eher putzig als bedrohlich. Aber genau deshalb fühlt sich Tom Cruise in dem Film so pudelwohl. Ihm entspricht nicht nur das Riesige, sondern auch das Unreife von Oblivion. Hier kann er sein, was er eigentlich immer war: ein Halbstarker, der auf Sofas herumspringt und sich für einen Übermenschen hält.