Eva Mendes wurde 2009 zur erotischsten Frau der Welt gekürt, sie ist mit dem Filmschönling Ryan Gosling liiert, und ihr Hund sieht auch besser aus als alles, was uns so täglich in Berlin begegnet. Natürlich hat der schöne Schäferhund der schönen Schauspielerin auch einen schönen Namen: Hugo. Und damit alles schön passt, hat Frau Mendes nun auch noch eine schöne Idee: Sie möchte, dass Hugos Persönlichkeitsrechte besser geschützt werden, Fotos mit Hugo sollen künftig nur dann veröffentlicht werden, wenn sein Gesicht gepixelt ist.

Laienpsychologen erkennen im gepixelten Hugo eine Übersprunghandlung: Eine kinderlose 39-Jährige lebt ihren Beschützerinstinkt an einem minderjährigen belgischen Schäferhund aus. Weniger Zartbesaitete denken schlicht, die Mendes hat tierisch einen an der Klatsche. So wie sich ja schon Michael Jackson, bevor er sich Kinder anfertigen ließ, einen Schimpansen zulegte. Oder sucht da eine Frau, so eine weitere Sicht auf die Super-Promi, im Hund, was sie im Mitmenschen nicht mehr findet: jemanden, der sich ihr gegenüber ganz natürlich verhält und deshalb geschützt werden muss?

Wir halten all die Thesen für Quatsch. Und die Idee vom gepixelten Hugo für einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Zeige mir deinen Hund – und ich sage dir, wer du bist. In dem Anspruch, Hugo öffentlich nur noch gepixelt sehen zu wollen, offenbart sich die Sehnsucht der Eva Mendes nach Bewahrung ihrer eigenen Persönlichkeit. Wir begrüßen das allein schon deshalb, da wir in einer Zeit leben, in der immer mehr Menschen prominent sind, ohne überhaupt eine Persönlichkeit zu haben.

Klicken Sie auf das Bild, um weitere Artikel der Serie "Gesellschaftskritik" zu lesen. © Frazer Harrison/Getty Images

Wenn Eva Mendes aber Eva Mendes bleiben will, reicht es nicht aus, wenn Eva Mendes ihren Hugo pixelt. Sie müsste dann jeden Interviewsatz schwärzen lassen, in dem sie etwas Wahres über sich sagt, jede Schauspielkunst verweigern, in die sie sich selbst einbringt, jede Rolle ablehnen, in der Eva Mendes durchschimmert. Aber das wird kaum genügen. Eine Prominente der Eva-Mendes-Klasse kann nur dann ungestört sie selbst sein, wenn sie verschwindet. Oder gepixelt durchs Leben läuft. Uns Ungepixelten blieben dann ja noch die Bilder von heute: von der schönen Eva, nie älter als 39. Und von Hugo, dem einzigen Hund, der man selbst gern wäre.