Die von Loriot am meisten bewunderte militärische Leistung war der Walkürenritt, wie er 1982 in einem Fragebogen mitteilte; in allen anderen Antworten bezog er sich ebenfalls auf Richard Wagner. Der Großmeister des deutschen Musikdramas fand im Großmeister des deutschen Witzes einen kongenialen Interpreten: Vor zwanzig Jahren erarbeitete Loriot seine Erzählfassung von Wagners Ring des Nibelungen, von ihm gerafft präsentiert an einem statt der werküblichen vier Abende. Zum 200. Geburtstag Wagners können jetzt Liebhaber und Laien erneut nachhören, wie Loriot den so schicksalsträchtigen Stoff verknappt aufbereitete, ergänzt um Passagen aus dem Karajan-Ring mit den Berliner Philharmonikern 1968–70: In seinem berühmten pseudovornehm-mokanten Tonfall überzieht er die Handlung dieser Götter-Menschen-Saga mit subtiler Ironie, die Komik und die Absurditäten des tragischen Plots um Wotan, Siegfried, Brünnhilde und Co. herrlich herausarbeitend – jedoch ohne dabei jemals die Faszinationskraft dieses Werks zu leugnen.

Zum Wagner-Jubiläum sind jetzt einige lohnende Deutungen seines Werkes erschienen. Alle Tiefen von Tristan und Isolde zum Beispiel hat der kürzlich verstorbene Peter Wapnewski 2003 ausgelotet. Dieser große Kenner des Mittelalters und Wagners kommentiert als gelehrter und zugleich gefühlvoller Märchenerzähler die tragische Liebesgeschichte. Erzählerische Brillanz und enormes Wissen verbinden sich hier glücklich; und sein weiser, knarziger Altmännerton behütet den Hörer zwischen der aufwühlenden Musik, die hier in der Referenzaufnahme mit dem Philharmonia Orchestra unter Wilhelm Furtwängler erklingt (Der Hörverlag, 6 CDs, 370 Min., 24,99 €).

Das äußerlich und innerlich wilde Leben Wagners kann man auch nachhören: Die vielleicht immer noch beste, jedenfalls stilistisch glanzvollste Biografie, 1980 von Martin Gregor-Dellin veröffentlicht, ist jetzt in einer gekürzten Lesung von Ulrich Noethen akustisch zugänglich. Noethen gelingt dabei die Gratwanderung zwischen spannender Unterhaltung und ästhetisch-historischer Deutung sehr gut (Osterwold-audio, 15 CDs, 1100 Min., 49,– €).

Nichts allerdings reicht an den Wagner-Sturm heran, den der 1974 geborene Schauspieler und Hörspielregisseur Stefan Kaminski live vor allem am Deutschen Theater in Berlin entfesselt. Er adaptiert Wagners Ring als verblüffende Ein-Mann-Performance, liest alle Rollen zwischen Ernst und Komik, unterlegt sie mit Geräuschen und Klängen, von ihm selbst und einigen wenigen Musikern erzeugt. Stimmungen und Charaktere interpretiert Kaminski kraftvoll modern: wirklich geniale akustische Überwältigungsästhetik, des Meisters rundum würdig.

Wer das nicht live erleben kann, der darf sich das Live-Hörspiel keinesfalls entgehen lassen – Wagners Winterstürme weichen Kaminskis Wonnemond.