Hannover ist in diesen Tagen das Zentrum der Industrie-Welt. Von nicht weniger als der "vierten industriellen Revolution" – nach Dampfmaschine, Fließband und Computersteuerung – ist dort die Rede. Von Fabriken, in denen Werkstücke, Maschinen und Transportsysteme miteinander kommunizieren. Der Mensch denkt, die Maschine lenkt, sich selbst.

Roboter, die lernen können, und Maschinen, die ihre Fehler selber korrigieren, gibt es schon. Aber künftig sollen über das "Internet der Dinge" ganze Fabriken via Smartphone überwacht werden können. Da ist die Zukunftseuphorie inklusive: Produktivitätssprünge zwischen 20 und 30 Prozent werden vorausgesagt. Und manchem Verkünder des Neuen kommt es allzu leicht über die Lippen, dass dabei Fabrikarbeit fast obsolet werde.

Das wäre schlecht für Deutschland, die Fabrik für die Fabriken, wenn man so will. China gilt als Fabrik der Welt, ja, aber es sind die Deutschen, die viele Maschinen für die Produktionsstätten in Fernost und anderswo liefern. Diese führende Stellung will man behalten – und dabei die Jobs nicht aufgeben!

Für die deutschen Schlüsselindustrien – Maschinenbau, Elektrotechnik und Automobilindustrie – gilt es, möglichst flexibel und individuell zu fertigen. Das ist das große Versprechen der neuen Revolution. Großunternehmen wie Bosch-Rexroth und Siemens, Roboterspezialisten wie Kuka, Maschinenbauer wie Trumpf oder mittelständische Elektronikspezialisten wie Weidmüller treiben die neue Technologie deshalb mit voran. Zusammen mit hiesigen Forschern bilden sie ein Netzwerk, das sich als besonderer Standortvorteil erweisen könnte.

Die Revolution geschieht auch nicht über Nacht. Reale digitale Fabriken werden wohl frühestens 2025 zu besichtigen sein. Eines ist aber jetzt schon klar. Ohne die Menschen wird es auch bei dieser industriellen Entwicklung nicht gehen.

Ihre Rolle wird sich freilich verändern. Statt für ermüdende Fließbandarbeit werden mehr Leute für kontrollierende und dirigierende Funktionen gebraucht. Darauf müssen sie vorbereitet werden. Junge Menschen brauchen Ausbildung, ältere Fortbildung. Und: Ohne ständigen Dialog zwischen Arbeitnehmern und Management auf dem Weg dahin wird die Fabrik 4.0 nicht funktionieren. Auch da sollten die Deutschen führend bleiben. Sonst könnte die Revolution direkt in die Rebellion münden.